GE-Chef Immelt
„Wir Manager werden verspottet“

Jeffrey Immelt, der Chef des amerikanischen Konzerns General Electric, über das ramponierte Ansehen der Wirtschaftslenker, launenhafte Börsen und seine Hoffnung auf das große Geschäft mit Gesundheit und grüner Energie
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General Electric (GE) war einmal das wertvollste Unternehmen der Welt. Bei Ihrem Antritt als Konzernchef war es an der Börse mehr als 400 Milliarden Dollar wert, heute sind es nur noch 156 Milliarden. Was ist schiefgelaufen?

Jeffrey Immelt: Unser Börsenwert hängt sehr stark davon ab, wie die Anleger unser Geschäft mit Finanzdienstleistungen bewerten. In den neunziger Jahren ist der Aktienkurs unglaublich stark gestiegen. Damals hat das Unternehmen Gewinne erzielt, die sich in zehn Jahren auf 65 Milliarden Dollar summierten. In der jetzigen Dekade hat GE bereits 170 Milliarden Dollar verdient, also fast dreimal so viel. In den Kursen spiegelt sich dieser Gewinnanstieg aber nicht wider. Die Aktie hat sich nicht so entwickelt, wie wir das gerne hätten.

GE war lange Zeit eine Kathedrale des Shareholder-Values. Hat dieses Konzept ausgedient?

Ich bin immer noch ein Anhänger dieser Idee und werde es wahrscheinlich auch immer bleiben. Der Wert entsteht dadurch, dass man die Kunden mit großartigen Produkten und Dienstleistungen zufriedenstellt. Wir machen das auf verantwortliche Weise und über einen langen Zeitraum. Das sollte sich ebenso in einem Shareholder-Value niederschlagen, wie es sich in einem Wert für die Mitarbeiter niederschlägt.

Tut es aber nicht.

Schauen Sie, in diesem schwierigen Jahr, mit einer geradezu brutalen Wirtschaftslage, wird das Unternehmen etwa so viel Geld verdienen wie zu der Zeit, als unsere Aktie auf ihrem Rekordhoch notierte. Das wird eines Tages auch wieder anerkannt werden.

Das ist ein schwacher Trost für die Aktionäre, die mit GE-Aktien viel Geld verloren haben.

Das Management kann am ehesten steuern, wie sich die Erträge des Unternehmens entwickeln. Die waren ziemlich ansehnlich. Ich will aber auch nicht behaupten, dass wir nichts falsch gemacht hätten.

Warren Buffett hat in der Krise GE-Aktien für drei Milliarden Dollar gekauft. Glauben Sie, dass der legendäre Investor mit der Wertentwicklung zufrieden ist?

Warren kennt das Unternehmen gut. Sonst hätte er gar nicht in uns investiert. Er weiß, wie gut wir im industriellen Geschäft dastehen, ob es um Luftfahrt, den Gesundheitsmarkt oder um Energie geht. Wir sind auf vielen Feldern Weltmarktführer und in allen Ländern präsent, auf die es ankommt.

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