General Electric
ist ein Koloss: Wenn die Vorhersagen von Konzernchef Jeffrey Immelt zutreffen, dann wird das amerikanische Traditionsunternehmen nächstes Jahr einen Umsatz von 195 Mrd. Dollar einfahren. Außergewöhnlich groß sind auch die Erwartungen der Investoren. Und so kann es passieren, dass eine Aktie in die Knie geht, obwohl die Aussichten hervorragend sind.
jojo MÜNCHEN. Was ist passiert? Am Dienstag hatte Immelt die Analysten zu einer Präsentation in New York gebeten. Der Konzernlenker wollte den Experten von der Wall Street seine Pläne für das kommende Jahr vorstellen. Die Spezialisten der großen Banken mussten allerdings tief Luft holen, als Immelt seine Prognose abgab: Der Gewinn solle 2008 "um mindestens zehn Prozent“ auf 2,42 Dollar je Aktie klettern, sagte der Manager.
Das war weniger, als selbst die größten Pessimisten vorhergesagt hatten. Die niedrigste Schätzung der 16 von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragten Analysten lag bei 2,44 Dollar je Aktie, der Durchschnitt bei 2,49 Dollar. So gingen die Papiere trotz des angekündigten zweistelligen Gewinnwachstums mit einem Minus von einem Prozent auf 37,03 Dollar aus dem Handel. Die Anleger ließen sich auch nicht durch die Ankündigung Immelts ködern, dass der Konzern in den nächsten drei Jahren Aktien für 15 Mrd. Dollar zurückkaufen will. Und noch etwas hätte eigentlich für gute Laune sorgen sollen: Die Dividende klettert um elf Prozent auf 31 Cent. Doch auch damit konnte Immelt an diesem Dienstag in New York nicht punkten.
Schon in den vergangenen zwei Monaten ist die Aktie um etwa zehn Prozent gefallen. Auslöser für den Kursrutsch war das überraschend schwache Geschäft in der Infrastruktur-Sparte, die Immelts Prognose im dritten Quartal nicht erfüllt hatte. Dazu kamen Schwierigkeiten im Medizingeschäft in Amerika sowie die Sorge, die Finanzkrise könne GE
treffen.
GE
Infografik: General Electric: Umsatz nach Geschäftsbereichen
GE
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erneuerte Kaufempfehlung
Nachdem sie ihre erste Enttäuschung überwunden hatten, betrachteten die Analysten GE
am Mittwoch in einem positiveren Licht als am Dienstag. Die Investmentbank Goldman Sachs
erneuerte ihre Kaufempfehlung für die Aktie. Angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage in Amerika würde sich GE
gut entwickeln. Die Banker von JP Morgan
zeigten sich erfreut, dass die Bankenkrise in den USA kaum Spuren in der Finanzsparte von GE
hinterlasse.
Immelt hatte bereits am Dienstag betont, GE
besitze keine der durch die Krise verlustreichen strukturierten Wertpapiere. Der Konzern führe auch keine der umstrittenen außerbilanziellen Zweckgesellschaften.
Immelt rechnet zwar damit, dass die US-Wirtschaft 2008 abflaut. Weltweit wachse die Wirtschaft aber und GE
profitiere davon, dass der Konzern überall vertreten sei. Über die Hälfte des Umsatzes erwirtschaftet der Konzern außerhalb seines Heimatmarkts Amerika. Am Mittwoch kam diese Botschaft dann auch bei den Anlegern an. Im frühen Handel an der Wall Street kletterte der Aktienkurs in einem schwachen Umfeld um fast drei Prozent auf etwa 38 Dollar.

