GE übernimmt Alstom-Energiesparte
EU billigt Milliardendeal unter Auflagen

Europas oberste Wettbewerbshüter haben die Übernahme der Alstom-Energiesparte durch General Electric gebilligt. Siemens hat damit den Kürzeren gezogen. Es gibt allerdings Auflagen für den Deal.

Brüssel/StraßburgEuropas oberste Wettbewerbshüter haben die Übernahme der Energiesparten von Alstom durch General Electric (GE) genehmigt. Voraussetzung ist allerdings, dass Kernelemente von Alstoms Hochleistungs-Gasturbinen-Sparte an das italienische Unternehmen Ansaldo verkauft werden. „Ich freue mich, dass wir dieses Vorhaben genehmigen und damit zeigen können, dass Europa wirtschaftsoffen handelt, dass Technologie aus Europa Potenzial hat und Investitionen aus dem Ausland anziehen kann“, sagte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. Angesichts der Herausforderungen im Bereich Klimawandel und Modernisierung der Energieversorgung, könne es sich Europa nicht leisten, auf moderne Technologie für Hochleistungsgasturbinen verzichten. Die Veräußerung von Alstoms Schlüsseltechnologie zur Herstellung von Hochleistungsgasturbinen an Ansaldo sorge dafür, dass Unternehmen und Verbraucher in Europa weiter von dieser innovativen Technologie und dem Know-how profitieren könnten.

Die Turbinen kommen in erster Linie in Gaskraftwerken zum Einsatz. Die Kommission hatte Bedenken, dass durch den Zusammenschluss einer der wichtigsten weltweiten Konkurrenten von GE auf dem Markt für Hochleistungsgasturbinen wegfallen würde. GE ist der weltweit größte Hersteller dieser Turbinen, Alstom der drittgrößte. Der Zusammenschluss hätte ein geringeres Maß an Innovationen und höhere Preise auf dem Markt für diese Technologie bedeutet, ohne die Europas Klimaschutzziele kaum erreicht werden können. Die von GE angebotenen Verpflichtungen räumten diese Bedenken nun aus, teilte die Kommission nun mit. Für die Bereiche Stromerzeugung aus Wärmekraft (ausgenommen Gas), Energieübertragung sowie erneuerbare Energien gebe es seitens der Behörde keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken. Hier ergänzten sich die beiden Unternehmen.

Nach Angaben der EU-Kommission ist der Markt für Hochleistungsgasturbinen mit nur vier weltweit aufgestellten, technologisch umfassend ausgerüsteten Wettbewerbern ein konzentrierter Markt: Marktführer ist GE, gefolgt von Siemens, Alstom und Mitsubishi Hitachi Power Systems (MHPS). Grund für die Konzentration sind die sehr hohen Anfangsinvestitionen in Forschung und Entwicklung sowie Erprobung und Herstellung; dies führt zu sehr hohen technologischen und finanziellen Markteintrittsschranken. Der fünfte Konkurrent, Ansaldo, hat begrenztere F&E-Kapazitäten, eine kleinere Produktpalette und eine geringere Reichweite.

Die Internationale Energieagentur (IEA) geht davon aus, dass die Erzeugung von Strom aus Gas in Europa mittelfristig weiterhin eine wichtige Rolle spielen und ihre Bedeutung langfristig zunehmen wird. Um die Stromerzeugung in Europa klimafreundlicher zu gestalten sei eine flexible und effiziente Hochleistungsgasturbinen-Technologie in Zukunft unabdingbar.

Auch Siemens hatte sich um den französischen Rivalen bemüht, gegen GE schließlich aber den Kürzeren gezogen. Der US-Konzern lässt sich den Zukauf früheren Angaben zufolge gut zwölf Milliarden Euro kosten.

Thomas Ludwig
Thomas Ludwig
Handelsblatt / EU-Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%