Geberkonferenz soll klares Bild schaffen
Irak-Engagement ist deutschen Unternehmen noch zu heikel

Deutsche Unternehmen schrecken nach Einschätzung großer Industrieverbände wegen mangelnder Sicherheit und der unklaren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen noch vor einem Engagement im Irak zurück. „Die Sicherheitslage im Irak ist derzeit prekär. 80 Prozent der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze und die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei über 60 Prozent“, sagte Jochen Münker, Nahostexperte beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch.

Reuters FRANKFURT. So sehen die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer als Haupthindernisse für die Wiederaufnahme von Lieferungen neben der desolaten Sicherheitslage auch die schlechten Kommunikations- und Reisemöglichkeiten. Auch die Bauindustrie wertet die Aussichten wegen der unsicheren Lage zur Zeit eher zurückhaltend. Derzeit wird mit dem Regierenden Rat im Nachkriegs-Irak nach Angaben von US-Zivilverwalter Paul Bremer ein „sehr intensiver Dialog“ geführt, um das Land für ausländische Investoren zu öffnen.

Bauwirtschaft sieht Engagement mit Skepsis

Die deutschen Bauwirtschaft hat zwar Interesse, sich im Irak zu engagieren, sieht aber die unklare Situation ebenfalls als ein Haupthindernis an. „Bevor sich die Sicherheitslage nicht geändert hat, sehen wir erhebliche Skepsis bei den Unternehmen“, schätzte Frank Kehlenbach, Leiter der Auslandsabteilung beim Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB). Im Ausland engagiere sich die deutsche Bauindustrie primär bei komplexen Infrastrukturprojekten in mehrfacher Millionenhöhe, weswegen kein Sicherheitsrisiko eingegangen werden könne.

„Außerdem sind die Prioritäten für den Wiederaufbau noch nicht definiert“, sagte Kehlenbach. Ein klareres Bild erhofft sich die Bauwirtschaft von der Geberkonferenz für den Irak, die voraussichtlich Ende Oktober in Madrid stattfinden soll. Bis dahin soll auch eine von der Weltbank erarbeitete Bedarfsanalyse für den Wiederaufbau fertig gestellt sein.

Unternehmen bereit zur Wiederaufnahme von Lieferungen

Viele Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus halten sich nach Einschätzung ihres Dachverbandes VDMA bereit, die Lieferungen mit dem Irak wieder aufzunehmen. Hindernisse seien neben dem Sicherheitsproblem aber die mangelhaften Kommunikations- und Reisemöglichkeiten, sagte Klaus Friedrich, Referent Naher Osten bei der Außenwirtschaftsabteilung des VDMA. Bei Investitionen sieht er die Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus allerdings nicht in der ersten Reihe, da sie vor allem als Ausrüster in Frage kämen. Bei öffentlichen Aufträgen aus dem Irak ist er eher skeptisch. „Aufträge aus dem öffentlichen Sektor im Irak sind zur Zeit schwierig, solange die öffentlichen Beschaffungs- und Entscheidungsstrukturen sich noch im Wiederaufbau befinden.“ Der deutlich kleinere private Sektor sei bereits bemerkenswert munter, stark unterstützt von Irakern, die bislang in den Nachbarstaaten und im weiteren Ausland tätig waren. „Aber auch für Iraker im Irak ist unternehmerisches Handeln noch schwierig angesichts der unklaren Rechtslage und Verwaltungsstrukturen vor Ort.“

Nach Schätzungen von US-Zivilverwalter Bremer ist es derzeit „nahezu unmöglich“ die Kosten für den wirtschaftlichen Wiederaufbau des Irak zu hoch anzusetzen. Allein zwei Milliarden Dollar sind nach seiner Einschätzung nötig, um den Strombedarf zu decken. Auf 16 Milliarden Dollar an Kosten bezifferte er in den kommenden vier Jahren die Versorgung aller Iraker mit sauberem Wasser.

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