Gebündelte Einkaufsmacht
Stadtwerke attackieren Gaskonzerne

Die großen deutschen Gashändler wie Eon Ruhrgas müssen sich auf härtere Zeiten einstellen: Stadtwerke und Regionalversorger bündeln ihre Interessen auf dem Gasmarkt. Mit Kooperationen wollen sie ihre Einkaufskraft stärken – und mittelfristig sogar direkt bei Produzenten kaufen.

DÜSSELDORF. Die ersten Netzwerke formieren sich bereits: Der niederländische Versorger Essent hat jetzt gemeinsam mit Bayerngas eine Beschaffungsplattform für Kommunalversorger gegründet. Die Stadtwerke-Kooperation Trianel will den Handel auf dem Gasmarkt ebenfalls ausbauen.

Hintergrund ist die Öffnung des Gasmarktes durch Bundeskartellamt und Bundesnetzagentur. Speziell das von Kartellamtspräsident Ulf Böge gegen die großen Importeure wie Eon Ruhrgas verhängte Verbot, Stadtwerke über viele Jahre lang und weitgehend exklusiv an sich zu binden, eröffnet den Kommunalversorgern Möglichkeiten, den Anbieter zu wechseln und bessere Konditionen auszuhandeln. Gleichzeitig versucht die Bundesnetzagentur, die Nutzung der Gasnetze zu vereinfachen, und unterstützt so den Gashandel. „Wir glauben, dass es dadurch mittelfristig zu einer Belebung des Gasmarktes kommt“, sagt Trianel-Geschäftsführer Sven Becker. „Wir wollen den Stadtwerken helfen, die neuen Möglichkeiten zu nutzen.“ Das Netzwerk, das bereits große Mengen Strom handelt, wolle sich nun verstärkt auf dem Gasmarkt engagieren.

„Kleine Mengen einzukaufen ist schwierig, bei großen Mengen bekommt man viel bessere Konditionen“, erläutert Paul van Son, Chef der deutschen Essent-Tochter. „Viele Stadtwerke haben bisher aber keine Erfahrungen auf dem Markt, sie waren traditionell nur an einen Lieferanten gebunden.“ Essent hat mit dem Regionalversorger Bayerngas, der von sieben Stadtwerken getragen wird, die Novogate GmbH gegründet, die die Einkaufsvolumina von Stadtwerken bündeln soll, um so die Verhandlungsposition zu verbessern. Das Unternehmen berät die Teilnehmer, bietet ihnen professionelles Management ihres Bezugsportfolios und unterstützt die Unternehmen auch bei Marketing und Vertrieb. Die Teilnehmer könnten bereits die guten Kontakte von Essent und Bayerngas zu den führenden Importeuren nutzen, sagt van Son. Langfristig könnten die Partner sich vielleicht sogar selbst an Projekten zur Gasproduktion beteiligen.

Der Münchener Unternehmensberater Karlheinz Bozem misst solchen Netzwerken große Bedeutung bei: Im Gasgeschäft gebe es im Gegensatz zum Strom bisher keinen funktionierenden Börsenhandel, hier würden die Verträge bilateral ausgehandelt. „Wer eine große Nachfrage hinter sich hat, ist da eindeutig im Vorteil“, sagt der Energieexperte.

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