Gegen Straffung des Daimler-Vertriebs
Beschäftigte protestieren vor Konzernzentrale

Daimler will seinen Vertrieb umbauen. Das sorgt für Ärger unter den Beschäftigten. Tausende protestierten heute vor der Konzernzentrale in Stuttgart: Man brauche Konzepte und keine Kahlschlagpolitik des Vorstandes.
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StuttgartTausende Beschäftigte von Daimler haben am Montag vor der Konzernzentrale in Stuttgart gegen den Umbau des Vertriebs protestiert. Das Management plane, einen Teil der insgesamt 34 Mercedes-Niederlassungen in Deutschland zu verkaufen und die Arbeitsbedingungen zu verschlechtern, erklärten die IG Metall und der Daimler-Gesamtbetriebsrat. „Wir brauchen Konzepte und keine Kahlschlagpolitik des Vorstands“, forderte der neue Betriebsratschef Michael Brecht. Die Arbeitnehmervertreter hatten zu der Kundgebung aufgerufen, da der Vorstand am Montag über das Konzept für den Mercedes-Benz-Vertrieb Deutschland beriet.

Ziel ist nach den Worten von Andreas Burkhart, Co-Chef der Vertriebsorganisation, dass die Niederlassungen und ihre fast 160 Standorte mehr Gewinn abwerfen. „Wir können es uns nicht leisten, im Vertrieb dauerhaft nicht genügend Geld zu verdienen“, rief Burkhart unter Buh-Rufen und Pfiffen der Beschäftigten, die aus dem ganzen Bundesgebiet angereist waren. Laut Betriebsrat hatten sich mehr als 4000 Teilnehmer versammelt, die Polizei zählte rund 2500 Protestierende. Mercedes bekenne sich zum unternehmenseigenen Vertrieb, doch sei dieser heute nicht mehr wettbewerbsfähig, sagte Burkhart. Sein Co-Leiter Harald Schuff hatte im Februar gegenüber der Fachzeitschrift „Autohaus“ erklärt, die Betriebe sollten nicht geschlossen werden, sondern den Besitzer wechseln.

Einzelheiten des Plans, über den Management und Betriebsräte schon seit gut einem Jahr sprächen, stünden aber noch nicht fest, sagte Burkhart. Daimler hat sich vorgenommen, den Gewinn in der Pkw-Sparte auf zehn Prozent vom Umsatz zu steigern. Von dieser Größenordnung, die die Rivalen BMW und Audi schon erreicht haben, waren die Schwaben im vergangenen Jahr mit 6,5 Prozent noch weit entfernt. Analysten kritisieren, Mercedes gebe mehr für den Vertrieb aus als die Konkurrenz.

Dass der Wettbewerb um die Autokäufer in Deutschland knallhart ist, räumen auch Betriebsrat und Gewerkschaft ein. Doch sie lehnen es strikt ab, deshalb Stellen zu streichen oder an die Einkommen der betroffenen gut 15.000 Mitarbeiter zu gehen. Der Daimler-Werbeslogan „Das Beste oder nichts“ müsse auch für die Belegschaft gelten, forderte IG-Metall-Bezirksleiter Roman Zitzelsberger. Für die geltende Vereinbarung zur Standortsicherung müsse ein Nachfolgeabkommen ausgehandelt werden. Konzernleitung und Betriebsrat hatten sich zuletzt 2008 auf Einsparungen im Vertrieb verständigt. So wurden freie Tage gestrichen und die Gewinnbeteiligung gekürzt. Im Gegenzug sagte Daimler zu, bis Ende 2017 auf betriebsbedingte Kündigungen und bis Ende 2015 auf den Verkauf von Niederlassungen zu verzichten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Es ist besser die Mitarbeiter zu feuern bzw. die Einkommen der Mitarbeiter massiv zu senken als das Management zur Rechenschaft zu ziehen. Sollen die Manager etwa auf Ihre Boni und Gehaltserhöhungen verzichten? Sollen Sie etwa keine Gelder mehr ungestraft vernichten dürfen?

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