Gegengewicht
Rhein-Energie und MVV verbünden sich

Zwei der größten deutschen Kommunalversorger rücken zusammen. Die Kölner Rhein-Energie steht vor dem Einstieg bei der Mannheimer MVV Energie. Langfristig soll so ein kommunales Gegengewicht zu den vier großen Versorgern Eon, RWE, Vattenfall Europe und Energie Baden-Württemberg (EnBW) entstehen.

DÜSSELDORF. Das erfuhr das Handelsblatt aus Kreisen der beteiligten Unternehmen. Rhein-Energie werde den Zuschlag für den 16-Prozent-Anteil erhalten, den die Stadt Mannheim zum Verkauf gestellt hat. Weiter heißt es, beide Unternehmen schlössen eine umfassende Kooperationsvereinbarung. Zwar müssten noch diverse Gremien zustimmen, grundsätzlich sei die Entscheidung aber gefallen.

Die Stadt Mannheim hatte vor einigen Monaten angekündigt, ihren Anteil an der MVV von 66 Prozent auf knapp über 50 Prozent zu verringern. Für das Paket hatten sich zahlreiche Unternehmen interessiert. Zuletzt waren noch die Rhein-Energie, die Frankfurter Mainova, die dänische Dong und die belgische Electrabel im Rennen. Die Stadt hatte wiederholt betont, dass es neben dem reinen Kaufpreis auch um die strategischen Perspektiven gehe, die ein Interessent der MVV bieten könne.

Offiziell halten sich die Beteiligten bedeckt. Wie es in den Unternehmenskreisen hieß, sind die Verhandlungen inzwischen aber abgeschlossen. Heute werde der Hauptausschuss dem Gemeinderat empfehlen, die Offerte der Kölner anzunehmen. Anschließend müssten zwar noch die Gremien des Käufers Rhein-Energie den Einstieg genehmigen. Mit einem Scheitern werde aber nicht mehr gerechnet. Der Kaufpreis wird auf rund 300 Mill. Euro geschätzt.

MVV und Rhein-Energie wollen zudem einen Konsortialvertrag schließen. Dabei planen sie eine umfassende Kooperation auf zahlreichen Feldern wie dem Handel oder gemeinsamen Kraftwerksprojekten. Der Kooperation seien nur dort Grenzen gesetzt, wo die beiden Unternehmen regional gebunden seien, wie etwa beim Netzbetrieb, hieß es. Längerfristig sei auch eine größere Kapitalbeteiligung der Rhein-Energie denkbar.

Die MVV kommt damit endlich mit ihrer Strategie, ein schlagkräftiges Stadtwerke-Netzwerk aufzubauen, voran. Das Unternehmen hatte sich vor Jahren an mehreren Kommunalversorgern – in Kiel, Offenbach, Solingen, Ingolstadt und Köthen – beteiligt. Das börsennotierte Unternehmen stieg damit zu einem der größten Versorger aus der zweiten Reihe auf und setzte zuletzt 2,3 Mrd. Euro um.

Vorstandschef Rudolf Schulten kündigte zudem wiederholt an, weitere Beteiligungen erwerben zu wollen. Im vergangenen Jahr organisierte er den Konzern sogar neu, um so die Voraussetzungen für Kooperationen zu verbessern: Er schuf eine Holding-Struktur und gründete Tochtergesellschaften, die für die Beteiligungen gemeinsame Aufgaben übernehmen sollten – beispielsweise beim Abrechnungswesen, der Informationstechnik oder dem Netzbetrieb.

Nun beteiligt sich mit der Kölner Rhein-Energie einer der größten deutschen Regionalversorger an der MVV. Das Unternehmen setzte im vergangenen Jahr über 2,5 Mrd. Euro um. Bislang ist es allerdings überwiegend im Umland expandiert. Die Rhein-Energie gehört zu 80 Prozent der Stadt Köln, 20 Prozent liegen beim RWE.

Bei der MVV ist mit dem bevorstehenden Einstieg des neuen Partners Streit mit dem Großaktionär EnBW programmiert – der Nachbar aus Karlsruhe war 2004 mit rund 15 Prozent eingestiegen und stieß schon damals in Mannheim auf Ablehnung. Auch jetzt ist er an einer Aufstockung seines Anteiles interessiert, wurde aber brüsk zurück gewiesen.

Vermutlich wären hier aber auch kartellrechtliche Bedenken aufgetreten. Die EnBW hatte schon beim Erwerb ihrer Beteiligung gegenüber dem Bundeskartellamt zusichern müssen, keinen strategischen Einfluss bei der MVV anzustreben. Zu den neuen Machtverhältnissen in Mannheim wollte sich die EnBW gestern auf Anfrage zunächst allerdings nicht äußern.

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