Gegengewicht zu den USA
Thyssen-Krupp erwägt europäischen Werftenverbund

Thyssen-Krupp überlegt, einen europäischen Werftenverbund zu schmieden. Die französische DCN scheidet als Partner allerdings aus. Ein Zusammengehen war bereits vor einem Jahr gescheitert. Doch es gibt Alternativen.

HB HAMBURG. Er könne sich die Bildung einer europäischen Gruppierung vorstellen, sagte der Vorstandschef der Werftentochter Thyssen-Krupp Marine Systems (TKMS), Klaus Borgschulte, am Montagabend im Club Hamburger Wirtschaftsjournalisten. Als möglichen Partner nannte er die italienische Fincantieri-Gruppe. Auch Firmen in Großbritannien kämen in Frage. Konkrete Verhandlungen gebe es aber nicht. Dafür sei die Zeit noch nicht reif, fügte Borgschulte hinzu.

Eine „Großlösung“ mit der französischen DCN ist laut Borgschulte auf absehbare Zeit nicht zu erwarten. Als Hindernis nannte er vor allem die dominierende Rolle des französischen Staates als Anteilseigner und Hauptkunden von DCN. Nun könnten TKMS und DCN parallel Werftenverbünde bilden.

Experten sehen einen Zwang, zumindest zu weiteren Kooperationen im europäischen Marineschiffbau zu kommen. Grund sei die Notwendigkeit, ein Gegengewicht zur Dominanz US-amerikanischer Hersteller auf dem Rüstungssektor zu bilden. Außerdem werden Aufträge immer häufiger europaweit ausgeschrieben. Dafür müssten sich die zersplitterten Anbieter in Europa zusammenschließen.

Zu TKMS gehören bereits Werften in Griechenland und Schweden. Die Gruppe ist unter anderem Marktführer bei nichtnuklearen U-Booten. Exportschlager sind U-Boote mit Brennstoffzellenantrieb. Große Erfolge feierte TKMS zuletzt auch mit dem Bau so genannter Megayachten mit Längen über 100 Metern.

Der Industriekonzern Thyssen-Krupp hatte seine Werften Blohm + Voss und Nordseewerke Anfang 2005 mit der Howaldswerke Deutsche Werft (HDW) des US-Finanzinvestors One Equity Partners zusammengelegt. One Equity Partners hält an TKMS noch 25 Prozent und kann sich frühestens 2008 ganz zurückziehen.

Für das Ende September auslaufende Geschäftsjahr 2005/2006 erwartet TKMS einen Umsatzanstieg auf 2,3 bis 2,4 Mrd. Euro nach 2,2 Mrd. im vorangegangenen Geschäftsjahr. Rund zwei Drittel des Umsatzes erzielt die Gruppe mit Marineschiffen, ein Drittel vor allem mit Luxusyachten und mittelgroßen Containerschiffen. Wachstumschancen sieht der Werftenverbund für die nächsten Jahre vor allem im Ausbau von Dienstleistungen nach dem Verkauf von Schiffes, etwa bei Umbauten, Wartung und Ersatzteilen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%