Geheimtreffen
Ringen um Opel: Fiat wirbt bei Gewerkschaft

Das Schicksal von Opel steuert noch diese Woche auf eine wichtige Vorentscheidung in Washington zu. Die Bundesregierung plant schon für Donnerstag direkte Gespräche mit dem Mutterkonzern General Motors und der US-Regierung. Im Ringen um Opel wirbt Fiat-Chef Marchionne unterdessen auch um die Gunst der Gewerkschaften.

FRANKFURT/BERLIN. Die Bundesregierung peilt an, bereits am Donnerstag - einen Tag nach Ablauf der Bieterfrist - eine Delegation zu direkten Gesprächen über das weitere "Falls die bis Mittwoch vorliegenden Konzepte das sinnvoll erscheinen lassen, wird das Bundeswirtschaftsministerium ein Verhandlungsteam in die USA senden", sagte eine Ministeriums-Sprecherin. Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) behält sich vor, die Delegation selbst anzuführen. Gut zwei Monate nach einer ersten US-Reise des Ministers steht die Opel-Taskforce damit vor neuen Spitzentreffen.

Die beiden Opel-Hauptinteressenten, der italienische Autohersteller Fiat und der Zulieferer Magna, forcierten unterdessen noch einmal ihr Werben um Opel. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen trifft Fiat-Boss Sergio Marchionne heute IG-Metall-Chef Berthold Huber zu einem vertraulichen Gespräch. Gestern hatte er mit GM-Europa-Boss Carl-Peter Forster in der die Opel-Zentrale in Rüsselsheim gesprochen. Vertreter des kanadisch-österreichischen Zulieferern Magna warben gestern für ihre Offerte bei Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz während eines Geheimtreffens in der Firmenzentrale in Graz. Sprecher der Unternehmen und der Gewerkschaft wollten die Informationen nicht kommentieren.

Die Investorensuche für Opel steckt in einer entscheidenden Phase. Am Mittwoch läuft die Frist der Bundesregierung für die Opel-Interessenten ab, um verbindliche Angebote auf den Tisch zu legen. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen könnte das Opel-Verhandlungsteam des Wirtschaftsministeriums schon an diesem Donnerstag die Gespräche in den USA aufnehmen. Neben einer möglichen Grundsatzentscheidung über das tragfähigste Konzept für eine Opel-Rettung dürfte auch der Widerstand der Amerikaner gegen das nach wie vor von der Bundesregierung verfolgte Treuhandmodell Thema der Gespräche sein. Opel-Betriebsratschef Franz zeigte sich gestern optimistisch, dass die USA dieser Lösung noch zustimmen werden. Die Bemühungen für eine Zukunft von Opel verlagern sich damit kurzfristig wieder in die USA, wo der Schlüssel zur Rettung des Autobauers bei GM und der US-Regierung liegt.

Fiat-Chef Marchionne lässt derweil nichts unversucht, um in neuen Geheimtreffen Politik, Management und Gewerkschaft für sein Übernahmekonzept zu gewinnen. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen versucht Marchionne heute in Frankfurt persönlich, bei der IG Metall die Bedenken der Gewerkschafter gegen einen Einstieg von Fiat auszuräumen. Gestern hatte Marchionne sich mit dem Management von Opel und GM Europa in der Opel-Zentrale in Rüsselsheim getroffen. GM-Europa-Chef Forster war dafür extra aus den USA nach Europa zurückgekehrt, wie das Handelsblatt erfuhr.

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