Geld muss raus
Eon leidet unter Reichtum

Deutschlands größter Energiekonzern Eon öffnet seine prall gefüllte Kasse für die Aktionäre. Parallel steckt das Unternehmen zig Milliarden in den Ausbau von Kraftwerken und Netzen. Hauptsache, das Geld ist weg. Denn Eon hat ein Luxusproblem: Die Düsseldorfer sind praktisch schuldenfrei und werden dafür von den Börsianern gescholten. Aus gutem Grund.

DÜSSELDORF. Eon kündigte am Mittwoch an, eigene Aktien im Wert von 7 Mrd. Euro zurückzukaufen. Dadurch winken den Anteilseignern höhere Dividenden und zusätzliche Kursgewinne. Zudem verspricht Eon den Aktionären für die kommenden Jahre ein Dividendenwachstum von durchschnittlich 10 bis 20 Prozent. Gleichzeitig kündigte das Unternehmen an, bis 2010 die Rekordsumme von 60 Mrd. Euro in seinen Märkten zu investieren und das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 4 auf 12,4 Mrd. Euro zu steigern.

Mit dem Aktienrückkauf gibt Eon dem Druck des Kapitalmarktes nach, seine ungesunde Kapitalstruktur gerade zu rücken und einen Teil seiner Finanzkraft für die Kurspflege einzusetzen. Das Unternehmen sitzt seit rund zwei Jahren auf vergleichsweise hohen Reserven. Durch den geschickten Verkauf von Tochtergesellschaften wie der Immobiliengesellschaft Viterra hatte es Milliarden eingenommen. Gleichzeitig hatte der Konzern aber bei Übernahmen kein Glück. Zuerst musste er bei Scottish Power zurückstecken, im April scheiterte dann der Kauf des spanischen Versorgers Endesa.

Eon hat deshalb seine Verschuldung inzwischen so weit abgebaut, dass die Finanzverbindlichkeiten geringer sind als das Finanzvermögen. Was auf den ersten Blick positiv klingt, ist für die Bilanz aber gar nicht sinnvoll. „Eon ist zu teuer finanziert“, sagt Analyst Stephan Wulf von Sal. Oppenheim. Die Kosten für Eigenkapital werden wesentlich höher angesetzt als die für Fremdkapital, das derzeit äußerst günstig am Markt zu bekommen ist. Eon selbst kalkuliert mit Eigenkapitalkosten von 8,6 Prozent und 3,6 Prozent für Fremdkapital. Für einen Konzern wie Eon wären Nettofinanzverbindlichkeiten von 20 Mrd. Euro leicht zu verkraften, hatten Analysten wiederholt angemerkt. Eon galt deshalb auch als potenzielles Ziel für Finanzinvestoren, weil diese einen Teil des Kaufpreises über die eigene Finanzkraft von Eon hätten hereinholen können. Ähnliche Probleme drücken auch Konkurrent RWE, der nach dem Verkauf der Tochter Thames Water ebenfalls über hohe Reserven verfügt.

Verschärft hatte sich die Situation bei Eon durch die gescheiterte Übernahme des Endesa-Konzerns, um den Vorstandschef Wulf Bernotat über ein Jahr lang gekämpft hatte und für den er über 40 Mrd. Euro in bar bezahlen wollte. Eon musste sich den Konkurrenten, dem italienischen Versorger Enel und dem spanischen Baukonzern Acciona, geschlagen geben und konnte sich nur Teile von Endesa im Wert von rund zehn Mrd. Euro sichern. Bernotat kündigte deshalb an, eine neue Investitionsstrategie zu erarbeiten und die Finanzstrukturen anzugehen. Die Vorschläge segnete der Aufsichtsrat jetzt ab.

Seite 1:

Eon leidet unter Reichtum

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%