Geldhäuser sollen Parmalats tatsächliche Lage verschleiert haben
Parmalat verlangt Milliarden von den Banken

Enrico Bondi, der Insolvenzverwalter des bankrotten Lebensmittelkonzerns Parmalat, zeigt der internationalen Hochfinanz seine Zähne: Bondi überzieht die Kreditinstitute des angeschlagenen Konzerns mit einer Flut von Klagen.

MAILAND. Innerhalb weniger Tage hat Bondi gegen diverse Großbanken wie die Citigroup und die Deutsche Bank sowie die ehemaligen Wirtschaftsprüfer des italienischen Skandalkonzerns Aufhebungs- und Schadensersatzklagen im Volumen von fast 21 Mrd. Dollar angestrengt. Insider sind sich sicher: Der juristische Frontalangriff gegen diese Institutionen wird in den kommenden Wochen weitergehen.

So erwarten Finanzkreise, dass Bondi als Nächstes bei einem US-Gericht eine Klageschrift gegen die Bank of America mit der Forderung einer Kompensation in Höhe von bis zu 10 Mrd. Dollar deponieren wird. Außerdem bereitet der Zwangsverwalter eine Aufhebungsklage in Parma gegen die Wall-Street-Bank Morgan Stanley und die italienische Fondsgesellschaft Nextra in Bezug auf einen umstrittenen Bond-Deal im letzten Sommer vor. Zudem riskieren alle Finanzinstitute, gegen die Parmalat bislang im Zusammenhang mit dem Widerruf einzelner Transaktionen juristisch vorgegangen ist, größere Schadensersatzklagen wegen einer allgemeinen Verflechtung in den betrügerischen Bankrott.

Dabei handelt es sich um die Deutsche Bank, UBS und CSFB. Der Insolvenzverwalter hat stets betont, dass er sich weitere rechtliche Schritte vorbehalte. Seine Argumentation: Die betroffenen Geldhäuser haben im besten Falle ihren Sorgfaltspflichten nicht genügt und im schlimmsten Falle mitgeholfen, die tatsächliche Situation des Unternehmens zu verschleiern. Sie sollen Finanzierungen gewährt haben, als Parmalat bereits faktisch zahlungsunfähig war. Teils könnten sie sich hierdurch an der verzweifelten Lage des mit 14 Mrd. Euro verschuldeten Milchriesen bereichert haben.

Die Banken zeigen sich in Bezug auf die drohenden Milliardenprozesse bislang einsilbig: Man habe die Klageschrift noch nicht einmal gesehen, hieß es bei CSFB. UBS ließ wissen, dass man das von Parmalat in Zweifel gezogene Bond-Geschäft für „vollständig valide“ halte. Die wegen aktiver Beihilfe bei der Verschleierung der tatsächlichen Finanzlage auf zehn Mrd. Dollar verklagte Citigroup sieht sich selbst als geschädigt an und weist alle Forderungen Bondis zurück.

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