Geldnot
Neuer Streit bei Kuka

Die Nadelstiche zwischen dem Roboterhersteller Kuka und seinem Großaktionär Grenzebach hören nicht auf. Erst wollte Kuka den ungeliebten Aktionär nicht in den Aufsichtsrat lassen, dann stand angeblich der Kuka-Vorstand vor der Abberufung. Jetzt verkündet Kuka, man stehe mit Segen von Grenzebach kurz vor einer Kapitalerhöhung. Prompt folgt vom Großaktionär ein Dementi.

AUGSBURG. Der Augsburger Roboterhersteller Kuka hat im zweiten Quartal eine Kreditklausel verletzt und benötigt frisches Kapital, um die Finanzierung des Unternehmens zu sichern. Theoretisch könne der Bruch der Klausel zur Fälligstellung einer Kreditlinie von 305 Millionen Euro führen, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Man gehe jedoch davon aus, sich mit den Banken einigen zu können. Gleichzeitig hält der Vorstand aber jedoch eine Kapitalerhöhung für nötig. Hierfür habe der Aufsichtsrat bereits seine grundsätzliche Genehmigung gegeben, sagte Finanzvorstand Matthias Rapp in einer Telefonkonferenz.

Die Nachricht zeigt einerseits die tiefe Krise, in der sich Kuka befindet. Die Auftragseingänge sind im ersten Halbjahr um 37 Prozent gefallen, das Betriebsergebnis ist von plus 32 Millionen Euro auf minus 23 Millionen Euro eingebrochen. Die Nettoverschuldung stieg um 51 auf 94 Millionen Euro.

Dass vor diesem Hintergrund alle Finanzierungsmöglichkeiten geprüft werden, liegt auf der Hand. Experten kritisieren jedoch die Art und Weise, wie Kuka über die eigene Schieflage informiert: Obwohl das Unternehmen den Bruch der Kreditvereinbarung in seinem Halbjahresbericht selbst als „bestandsgefährdend“ einstuft, wurden die Aktionäre darüber bislang im Dunklen gelassen.

„Die Wahrscheinlichkeit, dass das Unternehmen hier die Informationspflicht vernachlässigt hat, ist sehr hoch“, sagt deshalb Aktienrechtler Peter Dreier von der Kanzlei Dreier Riedel, die sich auf die Rechte von Anlegern spezialisiert hat. Es könne schließlich kaum eine relevantere Information geben, als die Bestandsgefährdung des Unternehmens. „So etwas muss umgehend ad hoc gemeldet werden“, sagt Dreier.

Und auch eine geplante Kapitalerhöhung könne nicht einfach im Gespräch mit Journalisten verbreitet werden. „Wie kursrelevant diese beiden Nachrichten waren, hat der heutige Aktienverlauf wohl unzweideutig belegt“, sagt Dreier. Der Kuka-Kurs fiel am Dienstag um bis zu 7,7 Prozent, bevor er sich wieder leicht erholte. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz bestätigte auf Anfrage, dass auch nach ihrer Einschätzung der Bruch von Kreditklauseln und Kapitalerhöhungen ad-hoc-pflichtig seien.

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