Gemeinsame Ausschüsse lenken Tamiflu-Produktion
Roche und Gilead beenden Lizenzstreit

Der Schweizer Roche-Konzern und die US-Biotechfirma Gilead haben ihren Lizenzstreit um das Grippemittel Tamiflu beendet.

HB FRANKFURT/M. Die beiden Unternehmen wollen künftig Produktion und Vertrieb von Tamiflu in gemeinsamen Ausschüssen koordinieren. Gilead erhält außerdem Zahlungen von 62 Mill. Dollar sowie Co-Marketingrechte für bestimmte Einsatzbereiche in den USA.

Tamiflu hat in den vergangenen Monaten enorme Bedeutung erlangt. Denn es ist eines von zwei Medikamenten, dem die Weltgesundheits-Organisation (WHO) eine Wirksamkeit gegen die asiatische Vogelgrippe bescheinigt. Die Nachfrage nach dem Mittel ist sprunghaft gestiegen, seit zahlreiche Experten davor warnen, dass aus der Vogelgrippe auch eine für Menschen gefährliche weltweite Grippe-Epidemie entstehen könnte. Diese Befürchtungen erhielten gestern neue Nahrung, nachdem chinesische Behörden drei Fälle bestätigten, bei denen Menschen an der Vogelgrippe erkrankten. Im Zuge der Vorsorgemaßnahmen gegen eine Grippe-Epidemie versuchen inzwischen zahlreiche staatliche und private Organisationen, größere Vorräte an Tamiflu anzulegen.

Gilead hat den Wirkstoff entwickelt und 1996 an Roche lizenziert. Der Lizenzstreit entzündete sich an Vorwürfen, Roche habe nicht genug in Marketing und Produktion des Mittels investiert. Der Schweizer Konzern hat inzwischen jedoch die Kapazitäten für Tamiflu stark erweitert und will sie bis 2007 nochmals auf eine Jahreskapazität von dann 300 Millionen Packungen ausbauen. Außerdem führt Roche Gespräche mit anderen Unternehmen, die sich um Unterlizenzen für Tamiflu bemühen. Auch diese Verhandlungen sollen künftig von einem gemeinsamen Ausschuss mit Gilead koordiniert werden.

Die Lizenzgebühren für Gilead bleiben nach Angaben von Roche unverändert bei 14 bis 22 Prozent vom Erlös, je nach Umsatzvolumen. Die Gilead-Aktie legte gestern um gut fünf Prozent zu und erreichte ein neues Allzeithoch von mehr als 54 Dollar. Der Börsenwert des US-Unternehmens, das vor allem Aids- und Hepatitismedikamente herstellt, stieg damit auf mehr als 24 Mrd. Dollar.

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