Gemeinsame Projekte geplant
Moskau sucht Einfluss bei EADS

Die staatlich gesteuerte russische Flugzeugindustrie will über eine Kapitalbeteiligung offenbar Einfluss auf den europäischen Luftfahrtkonzern EADS bekommen. Wie am Montag bekannt wurde, will die russische Vneshtorgbank ihren Anteil an EADS von fünf Prozent weiter ausbauen und an die geplante russische Luftfahrtholding OAK weiterreichen. Dies sagte Alexej Fjodorow, designierter Chef der Vereinten Flugzeugbauwerke (OAK), auf einer Branchenmesse im Kaukasus.

mbr/fas/kol MOSKAU/MÜNCHEN. „Wir haben nie verheimlicht, dass wir zehn Prozent an EADS wollen, um eine strategische Industrie-Partnerschaft zu begründen“, sagte Fjodorow. Die OAK soll bis Ende dieses Monats durch Fusion aller russischen Flugzeug- und Hubschrauber-Produzenten entstehen, gab Fjodorow nach seinem jüngsten Treffen mit Kremlchef Wladimir Putin bekannt. Der Staat werde an dem fusionierten Unternehmen einen Anteil von 75 Prozent halten.

EADS hat im vergangenen Dezember für 65,3 Mill. Dollar zehn Prozent am bisher einzigen börsennotierten Flugzeugbauer Irkut gekauft. Ex-Kanzler Gerhard Schröder hatte anlässlich dieses Einstiegs beim sibirischen Kampf- und Löschjet-Hersteller Irkut gesagt, Russland müsse „einen Platz im EADS-Boot haben“. Seinerzeit war laut EADS-Quellen sogar von einer russischen Beteiligung von zehn bis 15 Prozent an EADS und Airbus die Rede.

„Wir wollen sehr aktiv an der Konsolidierung der russischen Industrie teilhaben“, hatte EADS-Chef Thomas Enders noch im Mai dieses Jahres auf der Berliner Luftfahrtshow ILA betont. Dies heizte Branchenspekulationen an, dass sich auch EADS im Gegenzug an dem geplanten russischen Luftfahrtkonzern OAK beteiligen will. EADS wollte dies am Montag nicht kommentieren.

Durch die Fusion aller russischen Flugzeugproduzenten zur OAK will Russland seine notleidende Luftfahrtindustrie am Leben erhalten. Bisher sind alle Langstrecken- und Regional-Flugzeugproduzenten so zerstritten und finanziell so schwach, dass in Russland pro Jahr nur noch ein Dutzend Flugzeuge produziert wird. Die Fusion soll dies ändern und eine Produktionsbasis zur Erneuerung des stark veralteten Flugzeugparks im Riesenreich schaffen. Mindestens 1 000 Jets müssen binnen weniger Jahre ersetzt werden. Allein Aeroflot, Russlands größte Fluggesellschaft, will jetzt für drei Mrd. Dollar neue Flugzeuge ordern – ein Auftrag, um den Airbus und Boeing buhlen.

Der russische Industrieminister Boris Aljoschin spricht sich für eine „internationale Kooperation“ in der Luftfahrtindustrie aus. Dabei ist in der russischen Regierung bisher umstritten, ob Airbus oder Boeing Wunschpartner werden soll. Während Irkut mit Airbus kooperiert, setzt Sukhoi, Hersteller des Russian Regional Jets, auf eine Beratung durch Boeing. „Russland ist für die Branche ein wichtiger Markt“, sagt ein EADS-Sprecher. „Die Russen verfügen über hervorragende Entwicklungs- und Produktionskapazitäten.“ So will Airbus beispielsweise Kurzstreckenjets des Modells A 320 in Russland zu Frachtern umrüsten lassen.

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