Gemeinsame Zukunft
GM schickt Liebesgrüße an Opel

Neuer Sanierungsplan, neue Führungscrew, aber altbekannte Köpfe: der Opel-Mutterkonzern General Motors legt in dieser Woche mit der Neuausrichtung des Rüsselsheimer Autobauers los. Vorstandschef Frederick Henderson, der bereits ab heute erste Gespräche in der Opel-Zentrale führt, setzt dabei übergangsweise auf eigene und treue Manager der alten Garde.

NEW YORK/FRANKFURT. Mit einer Spitzenpersonalie erwägt GM jedoch die Wogen zu glätten: Der neue „Mr. Opel“, nach dem die Amerikaner nun extern suchen, solle möglichst aus Deutschland kommen, sagten mehrere mit der Situation vertraute Personen dem Handelsblatt. Die abrupte Kehrtwende beim Opel-Verkauf hat Teile des europäischen Managements, Arbeitnehmer sowie die deutsche Politik vor den Kopf gestoßen. Ein deutscher Chef für das Europageschäft könnte die Fronten wieder etwas entspannen, hieß es. Sprecher von Opel und GM wollten die Informationen nicht kommentieren.

Vorerst übernimmt jedoch die alte GM-Garde das Ruder in der Rüsselsheimer Opel-Zentrale. Nach Informationen aus Konzernkreisen soll der 77-Jährige GM-Veteran Bob Lutz den Posten des Opel-Aufsichtsratschefs übernehmen. Der aus Großbritannien stammende GM-Vizepräsident David „Nick“ Reilly wird als Zwischenlösung für den Chefsessel bei GM Europe gehandelt. Beide Personalien werten die Opel-Arbeitnehmer als Affront: Der gebürtige Schweizer Lutz war lange Jahre Produktionsvorstand von GM und wird von der Belegschaft für den Niedergang des US-Konzerns und das Scheitern des Magna-Deals mitverantwortlich gemacht.

Gesamtbetriebsratschef Franz tat seine Freude öffentlich kund, als sich Lutz zwischenzeitlich in den Ruhestand verabschiedet hatte. Jetzt rückt sein Intimfeind kurzfristig an die Spitze des Opel-Kontrollgremiums. Der bisherige Aufsichtsratschef und GM-Europaboss Carl-Peter Forster hatte am Freitag mitgeteilt, das Unternehmen zu verlassen.

Der Mutterkonzern wird mit der Sanierung aber nicht warten, bis ein Nachfolger gefunden ist. Nick Reilly, der bisher alle GM-Auslandsaktivitäten von Shanghai aus leitet, soll für die ersten Sanierungsarbeiten des Europageschäfts zuständig sein. Der 59-Jährige war zwischen 1996 und 2000 Chairman der britischen Opel-Schwestermarke Vauxhall. Seit 34 Jahren bei GM, gehört er inzwischen zu den wichtigsten Managern und engsten Weggefährten von Konzernchef Henderson.

Gemeinsam sind Henderson und Reilly heute nach Rüsselsheim unterwegs, um die seit Monaten auf Eis liegende Restrukturierung jetzt zügig anzugehen. GM verschaffe sich mit dem personalpolitischen Zug Freiraum, um tiefe Einschnitte durchzusetzen, hieß es in Unternehmenskreisen. Als Intermimslösung müsse Reilly keine allzu große Rücksicht auf langfristig gute Beziehungen zur deutschen Belegschaft nehmen. Der neue „Mr. Opel“ könnte dann relativ unbelastet starten.

Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz fordert vehement einen externen Nachfolger für den ausgeschiedenen Europa-Chef Forster – ein Wunsch, dem GM offensichtlich nachkommen will. Nach Möglichkeit solle der Forster-Nachfolger nicht aus dem Konzern kommen, erste Kandidaten seien bereits ausgemacht, hieß es. Dabei werde „mit starker Präferenz“ ein deutschsprachiger Manager gesucht.



Seite 1:

GM schickt Liebesgrüße an Opel

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%