Gemeinschaftsunternehmen mit Bosch
Daimler geht einen anderen Weg als BMW

Der Autobauer Daimler und der Zulieferer Bosch wollen künftig gemeinsam Elektromotoren entwickeln und produzieren. Damit wählt der Konzern einen anderen Weg als der Münchener Rivale BMW.
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Stuttgart, FrankfurtDer weltgrößte Zulieferer und Daimler haben die Absichtserklärung zur Gründung eines Joint Ventures bereits unterzeichnet, wie der Autobauer am Dienstag mitteilte. An dem Gemeinschaftsunternehmen sollen die beiden Partner jeweils zu 50 Prozent beteiligt sein. Der Produktionsbeginn ist für 2012 angepeilt. "Mit der Bündelung ihrer Kompetenzen wollen die beiden Unternehmen die Entwicklungsfortschritte bei Traktionsmaschinen beschleunigen und entsprechende Synergien erschließen", heißt es in der Mitteilung.

Es ist ungewöhnlich, dass ein Autobauer mit einem Zulieferer gemeinsam Teile produziert. Konkurrenten wie BMW setzen beim Elektroauto eher auf Partnerschaften mit anderen Autoherstellern. "Neue Technologien erfordern neue Formen der Kooperation", sagte eine Daimler-Sprecherin dem Handelsblatt. Denn Entwicklung und Produktion von Elektromotoren sind teuer. Sie lassen sich nur wirtschaftlich fertigen, wenn Stückzahlen erreicht werden, die über den Bedarf von Daimler weit hinausgehen. Deshalb war der Autobauer praktisch gezwungen, einen starken Partner zu finden. Weil noch nicht klar ist, welche alternativen Antriebe sich durchsetzen werden, investiert er neben dem Elektroauto auch in Hybridantriebe sowie in die Brennstoffzelle.

Die Stuttgarter werden die Elektromotoren des neuen Gemeinschaftsunternehmens zunächst exklusiv in ihre Modelle einbauen. Später soll Bosch sie aber auch an andere Autohersteller verkaufen.

Willi Diez, Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft an der Hochschule Nürtingen-Geislingen, hält die Partnerschaft für grundsätzlich richtig. "Daimler und Bosch verteilen die Risiken so auf mehrere Schultern. Die beiden Unternehmen ergänzen sich gut", sagte er Handelsblatt Online.

Weil die Kompetenz im Motorenbau einst der ganze Stolz des Stuttgarter Konzerns war, empfinden aber viele bei Daimler angesichts der Kooperation Wehmut. Das Unternehmen nutzt neuerdings auch Motoren des Partners Renault-Nissan. Daimler habe seine Entscheidung für das Gemeinschaftsunternehmen mit Bosch "gegen die Empfehlung des Betriebsrats getroffen, Kompetenzen in Entwicklung und Produktion von E-Motoren aufzubauen", sagte Wolfgang Nieke, Betriebsratschef im Stuttgart-Untertürkheimer Motorenwerk, den "Stuttgarter Nachrichten". Die Arbeitnehmervertreter befürchten, dass ein Umstieg von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor auf Elektroautos bei Daimler Arbeitsplätze kosten könnte. Mit dem Elektromotor hatten sie die Hoffnung verknüpft, Beschäftigung auch in neuen Antriebstechnologien zu sichern.

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Alternative Antriebe eröffnen Chancen für Zulieferer

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