Gemeinschaftsunternehmen
Siemens will Hausgeräte schnell an Bosch abgeben

Siemens drängt zum Abschluss, Bosch feilscht noch: Eine Entscheidung über den Verkauf der Hausgeräte könnte schon in den kommenden Wochen fallen. Im Raum steht die Drohung, sonst an Samsung zu verkaufen.
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München/StuttgartSiemens will seinen milliardenschweren Anteil am Gemeinschaftsunternehmen Bosch Siemens Hausgeräte (BSH) so schnell wie möglich an den Partnerkonzern abgeben. Die Verhandlungen und der Preispoker liefen auf Hochtouren, sagten zwei mit den Gesprächen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch. Eine Entscheidung könne in den kommenden Wochen fallen, ergänzte einer der Insider.

Wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtete, drängt Siemens zu einem Abschluss, während Bosch zögert und um den Preis feilscht. Sollten die Stuttgarter nicht bald ein Angebot für die Siemens-Hälfte vorlegen, könne das Paket auch an einen anderen Investor wie Samsung verkauft werden. Die angepeilte Transaktion hat laut FAZ eine Größenordnung von mindestens fünf Milliarden Euro. Alle Beteiligten lehnten eine Stellungnahme ab.

Bosch hat ein Vorkaufsrecht, wenn Siemens aussteigen will. Die Stuttgarter würden sich wahrscheinlich den gesamten Anteil sichern, sagte ein Insider. Hausgeräte gehörten zum Bosch-Kerngeschäft. Zudem peilt Konzernchef Volkmar Denner schon länger Akquisitionen an, auch größere Deals. Für Siemens-Chef Kaeser wiederum zählt BSH nicht zum Kerngeschäft. Er freue sich aber immer über die Gewinne, die das Joint Venture abwerfe, sagte er neulich. Das Gemeinschaftsunternehmen erlöste im vergangenen Jahr 10,5 Milliarden Euro, der Betriebsgewinn sank durch die Kosten für den Rückruf brandgefährdeter Geschirrspüler auf 509 Millionen Euro.

Die Drohung, den BSH-Anteil an Samsung zu verkaufen, halten Experten für überzogen. Die Koreaner gehören zu den schärfsten Konkurrenten für den Hausgerätehersteller im Kampf um die Weltspitze. Bei Kühlschränken hat Samsung diese Position bereits erreicht. Um in Europa besser Fuß zu fassen, hat der Konzern eigens ein Entwicklungszentrum in Stuttgart gegründet.

Ein Einstieg der Koreaner würde die Mehrmarkenstrategie von BSH aller Wahrscheinlichkeit nach sprengen und zum Ende des Unternehmens führen. Die Münchner verkaufen Kühlschränke, Waschmaschinen und Herde nicht nur unter den Namen Bosch und Siemens, sondern bedienen sich auch der Marken Constructa, Neff, Gaggenau und Junker. Kaesers Vorgänger Peter Löscher hatte bereits ein Ende der fast 50-jährigen Kooperation mit Bosch erwogen. Der Österreicher, der wegen seiner vielen Spartenverkäufe den Spitznamen „Aus-Löscher“ hatte, stellte BSH dann aber nicht zum Verkauf. Es ist das letzte Geschäft, das der Konzern noch mit Verbrauchern macht.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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