Industrie

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Genehmigungen erlöschen: Eon muss alte Steinkohlekraftwerke stilllegen

Bittere Pille für den Kraftwerksbetreiber Eon: Die Betriebsgenehmigungen für die alten Steinkohlekraftwerke in Datteln und Herne laufen aus und das als Ersatz im Bau befindliche Kraftwerk Datteln 4 ist noch nicht fertig.

Das Bundesverwaltungsgericht hat die Stilllegung des alten Kohlekraftwerks in Datteln (Nordrhein-Westfalen) entschieden. Quelle: dpa
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Stilllegung des alten Kohlekraftwerks in Datteln (Nordrhein-Westfalen) entschieden. Quelle: dpa

LeipzigDer Kraftwerksbetreiber Eon muss seine alten Steinkohlekraftwerke in Datteln und Herne stilllegen. Wie am Donnerstag das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig entschied, laufen die bisherigen Betriebsgenehmigungen Ende dieses Jahres aus. Entgegen einer eigenen Zusicherung wollte Eon die Kraftwerke weiter betreiben, weil das als Ersatz im Bau befindliche Kraftwerk Datteln 4 nicht rechtzeitig fertig wird. (Az.: C 15.12 und C 16.12)

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Die Altkraftwerke Datteln 1 bis 3 stammen noch aus dem Jahr 1962, Shamrock/Herne sogar aus 1957. Die Kraftwerksblöcke in Datteln liefern der Deutschen Bahn 20 Prozent ihres Bahnstroms und zusätzlich Fernwärme.

Energiekonzern Eon strahlt nur vorübergehend

Die Zahlen sind zwar glänzend, der Ausblick bei Eon ist allerdings düster.

2004 traten schärfere Umweltstandards in Kraft. Die Betreiber von Altkraftwerken konnten dabei wählen, ob sie die neuen Standards ab 2011 erfüllen oder aber verbindlich die Stilllegung zum Jahresende 2012 erklären. Eon entschied sich für die zweite Variante und erklärte 2006 einen Verzicht auf den Weiterbetrieb der vier Altkraftwerke ab 2013.

Hintergrund war das geplante Kraftwerk Datteln 4. Es sollte 2012 ans Netz gehen und dabei "Maßstäbe setzen in Sachen Energieeffizienz und Klimaschutz bei der Kohleverstromung", hieß es bei Eon. Weil der Stromkonzern den Starttermin nicht halten konnte, will er die alten Kraftwerke weiter betreiben. Durch eine gründliche Reinigung der Anlagen sowie den Einsatz teurerer, schadstoffärmerer Kohle würden die neuen Umweltstandards bereits erfüllt. Die "Verzichtserklärung" hatte Eon bereits 2010 widerrufen.

Das sind die größten Energieversorger der Welt

  • Platz 10

    Die Rangliste der größten Energieunternehmen der Welt eröffnet Kansai Electric Power. Der japanische Versorger kam 2011 auf einen Umsatz von 33,3 Milliarden Dollar.

  • Platz 9

    Mit 39,3 Milliarden Dollar Umsatz liegt der südkoreanische Versorger Korea Electric Power (Kepco) auf dem neunten Rang.

  • Platz 8

    Iberdrola landet auf dem achten Platz. Der spanische Versorger erwirtschaftete 2011 Erlöse in Höhe von 41 Milliarden Dollar.

  • Platz 7

    Der britische Versorger SSE (Scottish and Southern Energy) landet auf Rang sieben der Rangliste. Umsatz 2011: 45,4 Milliarden Dollar.

  • Platz 6

    Der erste deutsche Energiekonzern findet sich auf Platz sechs wieder. RWE erwirtschaftete im Jahr 2011 Erlöse von 63,7 Milliarden Dollar.

  • Platz 5

    64,6 Milliarden Dollar erwirtschaftete Tokyo Electric Power im Jahr 2011. Besser bekannt ist das Unternehmen unter der Abkürzung Tepco. Nach der Katastrophe am Atomkraftwerk von Fukushima ist Tepco inzwischen mehrheitlich im Besitz des japanischen Staates.

  • Platz 4

    Électricité de France (EDF) schrammt knapp am Treppchen vorbei. Die Franzosen kommen mit einem Umsatz 2011 von 84,6 Milliarden Dollar auf Platz vier.

  • Platz 3

    Der größte italienische Energiekonzern ist weltweit die Nummer drei. Enel machte 2011 einen Umsatz von 103,2 Milliarden Dollar.

  • Platz 2

    Der französische Versorger GDF Suez findet sich auf Rang zwei der Rangliste. Im Jahr 2011 erwirtschaftete GDF Suez Erlöse in Höhe von 117,5 Milliarden Dollar.

  • Platz 1

    Der deutsche Branchenprimus ist auch weltweit die Nummer eins. Eon kam im Jahr 2011 auf einen Umsatz von 157,3 Milliarden Dollar - das reicht für die Spitzenposition.

Doch die Erklärungen seien "nicht bloß unverbindliche Absichtserklärungen" gewesen, urteilte das Bundesverwaltungsgericht. "Eon muss sich an dem Verzicht festhalten lassen." Andernfalls seien die umweltpolitischen Ziele nicht erreichbar.

Eon könne sich auch nicht wegen der Verzögerungen bei Datteln 4 auf einen "Wegfall der Geschäftsgrundlage" berufen. Der Stromkonzern habe "auf eigenes Risiko auf die Betriebsgenehmigungen verzichtet, obwohl die fristgerechte Errichtung des neuen Kraftwerks Datteln 4 noch nicht gesichert war", betonten die Leipziger Richter.

 



  • 15.11.2012, 18:02 Uhrvandale

    Wesentliche Positionen des Bundesumweltministerium sind seit der Machtübernahme von Trittin mit berufsfremden Ökoaktivisten besetzt. Als man im ökoreligiösen Delirium einige Kernkraftwerke stilllegte, legte man auch das Kernkraftwerk GKN I in Neckarwestheim still. Dieses lieferte einen erheblichen Teil des benötigten Bahnstroms. Wenn jetzt einige Kohlekraftwerke entfallen entsteht eine Lücke.

    Bahnstrom hat eine andere Frequenz als der Rest des Netzes. Insofern kann man das Eisenbahnnetz nicht mit Netzstrom betreiben.

    Ich weiss nicht wie angespannt die Situation bei der Bahn ist. Eine mögliche Konsequenz könnte sein, dass man den Berufsverkehr ausdünnt, oder Züge mit Diesellokomotiven zieht. Vielleicht weiss jemand mehr.

    Vandale

  • 15.11.2012, 18:19 UhrAnonym3

    Wichtig bei dieser Meldung wäre folgender Hinweis gewesen: NRW-Umweltminister Johannes Remmel: „Sollte das Bundesverwaltungsgericht Mitte November die OVG-Entscheidung bestätigen, so kann unmittelbar im Anschluss eine formelle Duldung erfolgen. Dies ist das Ergebnis einer sehr intensiven Diskussion und Prüfung. Die Duldung eines ungenehmigten Anlagenbetriebes ist rechtlich nur in Ausnahmefällen möglich. Ein solcher Ausnahmefall besteht hier, weil die Erzeugung von Bahnstrom und Fernwärme im öffentlichen Interesse ist. Darüber hinaus musste auch detailliert geprüft werden, ob und welche Alternativen zur Energieversorgung bestehen.“

    Das heißt, die Kraftwerke werden noch nicht stillgelegt. Und andere Alternativen vor der Entscheidung zur Duldung hat man noch gar nicht hinreichen geprüft.

  • 15.11.2012, 19:33 UhrFFranz

    Wäre doch gelacht, wenn wir Deutschland nicht kaputt kriegen.

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