General Electric
Erzrivale rückt Siemens auf die Pelle

Hunderte neue Mitarbeiter, aufwändige Kampagne und große Worte: General Electric greift Siemens an - und das ausgerechnet vor der eigenen Haustür. Die Amerikaner haben sich ein ehrgeiziges Ziel für Deutschland gesetzt.
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DüsseldorfGeneral Electric (GE) will 86 Millionen Euro in den Ausbau der Deutschlandgeschäfts investieren. Das sagte der Chef des neuen GE-Deutschland-Managements, Ferdinando Beccalli-Falco am Dienstag der Nachrichtenagentur Bloomberg. In den kommenden zwei bis drei Jahren sollen zu den 7000 deutschen Mitarbeitern 450 neue hinzukommen. Ziel der Investition sei stärkeres Wachstum in Europa. Bereits jetzt verkauft GE mehr als 20 Prozent seiner Produkte an Kunden aus der EU.

"Wer nicht stark in Deutschland vertreten ist, der wird ernsthafte Schwierigkeiten haben, in Europa zu wachsen", sagte der Top-Manager in einem Telefoninterview. Deutschland verfüge wegen seiner Exporte über das größte Wachstumspotenzial innerhalb der Union. Nach Angaben des Wall Street Journal will Beccalli-Falco das Deutschland-Geschäft in den kommenden fünf Jahren verdoppeln und vor allem die Medizin- und Gasturbinen-Branchen ins Visier nehmen.

Eine neu gestartete Anzeigenkampagne aus dem Hause Jung von Matt soll den ehrgeizigen Plänen der Amerikaner auf die Sprünge helfen. Derzeit wirbt der Konzern in Fernsehen, Print und Online mit dem Claim "Wir sind das GE in Germany."

Ewige Konkurrenten

Mit seinen Expansionsplänen greift GE den Erzrivalen Siemens auf seinem Heimatmarkt an. Die beiden Konzerne konkurrieren unter anderem in der Medizintechnik, bei Windkraft, Gasturbinen und in der Lichttechnik. Mit dem Geschäft mit Gasturbinen nehmen sich die Amerikaner einen Bereich vor, in dem Siemens punkten konnte: Die Münchener liegen hier vor der Konkurrenz und konnten zahlreiche Großaufträge gewinnen. In der Medizintechnik hingegen musste Siemens zuletzt eine teure Schlappe hinnehmen: Das Geschäft mit der so genannten Partikeltherapie - einer neuen Methode zum Bestrahlen von Krebstumoren - entwickelte sich nicht wie gewünscht und bescherte dem Konzern Abschreibungen in dreistelliger Millionenhöhe.

Vergleicht man die jüngsten Unternehmenszahlen liegen die Amerikaner vorn. Der Siemens-Gewinn ist kräftig geschrumpft. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2010/ 2011 sank das Nettoergebnis der Münchener um mehr als 67 Prozent auf 0,46 Milliarden Euro, ein Minus, das auf hohe Sonderlasten wie die Probleme in der Medizintechnik zurückgehen, aber auch einem vorzeitigen Ausstieg aus einem Joint-Venture mit dem französischen Atom-Unternehmen Areva geschuldet sind.

GE-Chef gibt sich optimistisch

GE dagegen konnte mit seinen jüngsten Gewinnentwicklungen glänzen. So wuchs das Nettoergebnis um 20 Prozent auf 3,8 Milliarden Dollar (2,8 Milliarden Euro). Beim Umsatz allerdings entwickelten sich die Münchener besser als GE: Während Siemens mehr verkaufen konnte als im Quartal zuvor, ging der GE-Umsatz wegen eines Spartenverkaufs um vier Prozent zurück.

Beide Unternehmen unterscheiden sich drastisch was ihren Blick in die Zukunft betrifft. Während die Auftragsbücher von Siemens-Chef Peter Löscher so prall gefüllt sind wie nie zuvor, macht der Österreicher bereits Wolken aus am Konjunkturhimmel. GE-Chef Jeffrey Immelt hingegen beurteilt seine Wachstumschancen für die zweite Jahreshälfte und darüber hinaus hingegen sehr optimistisch.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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