General Motors
„Bagdad-Bob“ ist Saabs letzter Streiter

Ein Dauer-Optimist kämpft für die Luxusmarke Saab. Der Vorstandschef will den schwedischen Autobauer retten. Doch die Zeit wird knapp. Bald entscheidet der US-Konzern GM über die Zukunft seiner Tochter. Ein Fall für Jan-Åke Jonsson. Sein Spitzname: Bagdad Bob.
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STOCKHOLM. Schüchtern sieht er immer aus mit seiner oberrandigen Brille, dem leicht ergrauten Kurzhaar und seiner schlaksigen Haltung. Jan-Åke Jonsson ist kein Mann der großen Worte. Große Taten sind ihm lieber, und eine solche plant der 58-Jährige: Als Chef des kleinen schwedischen Pkw-Bauers Saab versucht er seit Februar dieses Jahres, gleich an zwei Fronten zu kämpfen. Er muss der eigenen Belegschaft in Trollhättan Optimismus vorleben und gleichzeitig gegen das Aus der einstigen Edelmarke kämpfen - also mit den Bossen vom Mutterkonzern General Motors (GM) in Detroit so manchen Fight fürs Überleben der kultigen Autos aus Westschweden führen.

Manche nennen ihn "Bagdad Bob"

Bislang ist ihm das gelungen. Die schlechten Nachrichten über die Zukunft des kleinen Autobauers reißen nicht ab, und doch macht Jonsson stets gute Miene zum bösen Spiel. Das hat ihm in Schweden den Namen "Bagdad Bob" eingebracht, den Namen des Sprechers von Saddam Hussein, der selbst dann noch die Besetzung der irakischen Hauptstadt leugnete, als die US-Truppen bereits das Zentrum eingenommen hatten. "Ich bin ein überzeugter Optimist, weil sich mit einer positiven Einstellung das meiste lösen lässt", wird er sagen, wenn er gefragt wird, ob ihn denn nichts aus der Fassung bringen kann.

Als der Saab-Mutterkonzern General Motors vor fast genau einem Jahr den endgültigen Verkauf seiner seit 20 Jahren verlustreichen Tochter Saab bekanntgab, sah er sein Unternehmen in "einer jetzt sehr guten Position". Als das kleine Unternehmen mit seinen 3 400 Mitarbeitern im Februar unter Zwangsverwaltung gestellt wurde, sprach er von seinem Ziel, für Saab "eine erfolgreiche Zukunft zu ermöglichen". Und als die Sportwagenschmiede Koenigsegg vor einem Monat als sehnlichst erwarteter Saab-Käufer plötzlich absprang, war das für den überzeugten Marathonläufer erneut "eine Herausforderung, die wir lösen werden".

Auch am Montag dieser Woche, als Chinas fünftgrößter Autokonzern, die Bejing Automotive Industry Holding (BAIC), bekanntgab, dass er die Produktionsanlagen für die auslaufenden Sedan-Modelle des Saab 9-5 und des 9-3 kauft, sprach Jonsson von einem "außergewöhnlich guten Abkommen für beide Partner". Nichts will er davon wissen, dass Saab, das zu seinen besten Zeiten rund 130 000 Autos im Jahr absetzen konnte und es in diesem Jahr nur auf etwa 32 000 bringt, zerstückelt wird. Auch die Aufteilung in fünf Firmen sei nicht der Anfang vom Ende. Vielmehr sei das Unternehmen so besser zu führen.

Eine besinnliche Weihnacht wird es dieses Mal für den Familienvater und Opa zweier gerade einmal ein Jahr alter Enkel nicht. Spätestens am 31. Dezember will GM entscheiden, wie und ob es mit der schwedischen Marke weitergeht. Ein Käufer muss her, und Jonsson arbeitet intensiv daran, um den Bossen in Detroit klarzumachen, wie wichtig ein Überleben der Luxuswagen ist.

Er startet als Programmierer

Die niederländische Sportwagenschmiede Spyker mit russischem Kapital im Rücken soll ein Interessent sein. Jonsson sagt dazu nichts. Und auch an seinem Blick lässt sich nicht einmal erraten, was er davon hält. Sollte der Deal klappen, würde er vermutlich von "einer fantastischen Chance für Saab" sprechen.

Er ist ein echter Saab-Mann. Ursprünglich ließ er sich zum Programmierer ausbilden. 1971, gerade mit der Ausbildung abgeschlossen, fragt er bei Saab nach einem Job. Er landet bei der Tochterfirma Datasaab, dem damals größten Computerhersteller Schwedens. Auch nach dem Verkauf von Datasaab in die USA bleibt Jonsson in Schweden, geht zu Saab-Scania und arbeitet später beim Mutterkonzern GM. Vor fünf Jahren, als die Zukunft von Saab längst in den Sternen steht, übernimmt er das Steuer.

Und nun? "Manchmal bekommt man einen auf die Nase. Das muss man akzeptieren", sagt er, lächelt freundlich und signalisiert deutlich, dass er noch lange nicht aufgegeben hat.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent

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  • He Leute,der Artikel war doch gut geschrieben! Denke mal es ist z.Z. wirklich ein sehr sensibles Thema und es wird jeden Tag eine neue Nachricht zerrissen in der Presse! Drücken wir die Daumen das "bagdad bob" das hin bekommt!
    Wollen doch alle mal eine neue Sonett fahren! :-)
    Schöne Weihnachten!

  • Als überzeugter SAAbianer reagiert man zur Zeit sicherlich hochsensibel auf alle Nachrichten und berichte zum Thema SAAb. Richtig ist, dass viele Presseveröffentlichungen sehr oberflächlich und in der Tendenz eher negativ mit dem Thema SAAb umgehen. bis auf die immer wieder kehrende, unreflektierte und nicht hinterfragte behauptung, SAAb hätte in den zurückliegenden Jahren stets rote Zahlen geschrieben, empfand ich den Artikel im Gegensatz zu Rozyk und bittermann jedoch eher positiv und optimistisch. Aus meiner Sicht wird hier zum ersten Mal der Macher bei SAAb positiv dargestellt, kommt der Glaube an die Rettung der Marke SAAb beim Leser an. Es ist für mich das Portrait eines Mannes, von dem die Wirtschaft weltweit viel mehr brauchen würde, jemand der an etwas glaubt und dafür berge versetzt. Der es schafft, auch in dieser für das Unternehmen sehr schwierigen und entscheidenden Zeit, die Mitarbeiter und Fans der Marke zu motivieren. Sorry lieber Rozyk, lieber bittermann, aber ich finde nicht, dass sich hier über Jan Ake Jonsson lustig gemacht wird - im Gegenteil!

    Jan Ake Jonsson wird SAAb retten - und zwar weil er genau so ist, wie er hier beschrieben wird!

  • ich kann mich dem Kommentar von Rozyk nur anschließen. Sich über das aussergewöhnliche Engagement eines Mannes in dieser Form lächerlich zu machen, finde ich reichlich geschmacklos.

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