General Motors
GM-Fabrik Flint: Ground Zero der Autoindustrie

Flint kennen in Deutschland nur die Wenigsten. Es ist aber ein ganz besonderer Ort für die US-Autoindustrie: Hier wurden GM gegründet und auch die Autogewerkschaft UAW. Auch sie hat zum Niedergang des Autokonzerns und der Stadt in Michigan beigetragen. Ein Ortsbesuch.

FLINT. Es wird gefeiert im Gewerkschaftshaus von Flint: „Ladies Night“. Die runden Tische sind in feinem Weiß eingedeckt, am Eingang stehen gelbe Rosen, daneben der Willkommensgruß: „Wir ehren unsere Damen!“ Eine Handvoll Pensionäre von General Motors treffen letzte Vorbereitungen. Sie geben ihr Bestes, den spröden Turnhallencharme des Saals zu übertünchen. Auf jeden Tisch kommt ein Tütchen mit Süßigkeiten, die Musikkapelle ist verkabelt, und neben dem Podium steht die große Bingo-Maschine bereit.

„Gut gemacht, danke“, ruft Bill Jordan in den Saal. Jordan ist Präsident der Ortsgruppe 599 der „United Auto Workers“ (UAW), einst die mit Abstand größte Gewerkschaft Amerikas. Er trägt eine weiße Schirmmütze mit dem Logo der UAW und ein beiges Poloshirt mit dem Logo der UAW.

Stolz soll das zeigen, doch es wirkt wie Trotz. Gleich werden im Gewerkschaftshaus 120 Damen und Herren des Automobil-Clubs „Buick Town“ das Tanzbein schwingen – exakt fünf Tage, bevor ihr langjähriger Arbeitgeber General Motors (GM) Insolvenz beantragt. Einer von Jordans Helfern blickt in den geschmückten Saal und sagt: „Lasst es uns genießen, das Leben ist so kurz.“

Die alten Herren der UAW würden über das GM-Desaster, das mit dem Insolvenzantrag am gestrigen Montag seinen traurigen Höhepunkt erlebt, am liebsten hinwegtanzen. Doch in Flint, Michigan, eine Autostunde nördlich von Detroit gelegen, geht das nicht. Hier, wo William Durant vor einem Jahrhundert GM gründete. Und wo ihre stolze Gewerkschaft im Kampfe geboren ward, im Winter 1936/37, nach 44 Tagen Sitzstreik. Wo GM schon seit Jahrzehnten stirbt, jeden Tag ein bisschen mehr. Woran auch die UAW Schuld trägt.

Gewerkschafter Jordan streicht sich durch seinen Silberbart und zeigt auf das Luftbild in Schwarz-Weiß, das fast die Hälfte der rückwärtigen Hallenwand bedeckt. So sah „Buick City“ aus der Vogelperspektive aus, als Bill Jordan noch Elektriker bei GM war und Flint eine der glücklichsten Städte Amerikas: „Schauen Sie, hier, die Endmontagelinie, abgerissen 1995.“ Sein Zeigefinger wandert weiter: „Hier, diese Fabrik steht seit Jahren leer. Oder da: der neunstöckige Versorgungsturm, auch abgerissen.“

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