General Motors
Lieferanten trifft GM-Insolvenz hart

Der ehemals größte Autohersteller der Welt versucht, unter Gläubigerschutz die Basis für eine bessere Zukunft zu legen. Doch den Zuliefereren drohen große Einbußen: Nach Schätzungen von Analysten haben Zulieferer noch offene Forderungen an GM in Höhe von rund 18 Milliarden Euro - es ist unklar, wieviel davon abgeschrieben werden muss.

STUTTGART/FRANKFURT. Zahlreichen deutschen Zulieferern drohen massive Einbußen angesichts der Insolvenz des Opel-Mutterkonzerns General Motors und der angespannten Lage bei der gerade noch geretteten deutschen Tochter. Rund 18 Mrd. Dollar Forderungen haben nach Schätzungen des LBBW-Analysten Heiko Möhringer Zulieferer noch an GM. Grundlage sind dabei die Zahlen von GM im ersten Quartal. Nur rund fünf Mrd. Dollar Außenstände sind durch den Sonderfonds der Regierung gedeckt. Damit ist ungewiss, was mit den restlichen 13 Mrd. Forderungen der Zulieferer passiert.

"Entscheidend wird sein, wie die Kundschaft reagiert und sich der GM-Absatz nach der Insolvenz entwickelt", sagt Möhringer. Nach der Insolvenz von Saab brach beispielsweise der Absatz um 80 Prozent ein. Sollte so etwas bei GM oder Opel passieren, kämen auf die Zulieferer gewaltige Probleme zu. Wenn beide Sanierungen scheitern sollten, drohten Hunderten von Zulieferern das Aus.

Nach Ansicht von Wolfgang Meinig, Leiter der Forschungsstelle Automobilwirtschaft in Bamberg, muss sich die ohnehin in der Krise steckende Zulieferbranche auf jeden Fall auf weitere Rückschläge gefasst machen. "Die US-Zulieferer werden einige Forderungen in den Wind schreiben müssen", erwartet der Wissenschaftler. Davon würden auch Lieferanten in Europa betroffen. "Schockwellen" seien aber nicht zu befürchten. Meinig geht davon aus, dass GM weiter produzieren wird - wenn auch auf Sparflamme. Ganz ausfallen wird der frühere Weltmarktführer nicht - anders als Chrysler, bei dem die Bänder stillsteht.

Stark betroffen ist vor allem der weltgrößte Autozulieferer Bosch. GM gehört zu den fünf größten Kunden der Stuttgarter. Natürlich werde sich eine Insolvenz von GM bemerkbar machen, räumte ein Sprecher ein. Schon im vergangenen Jahr war das operative Ergebnis der Autosparte auf 321 Mio. Euro oder ein Fünftel des Vorjahreswertes abgesackt, bei einem Umsatz von 26,5 Mrd. Euro. Der kriselnde US-Automarkt ließ den Zulieferer-Umsatz von Bosch dort 2008 um 17 Prozent auf 3,6 Mrd. Euro schrumpfen. Allzu pessimistisch zeigte sich der für das Autogeschäft zuständige Geschäftsführer Bernd Bohr zuletzt aber nicht: "Wir sind in Nordamerika breit vertreten, und langfristig werden dort nicht weniger Autos gekauft werden als vor der Krise".

Auch bei Opel ist Bosch stark engagiert. Wie stark, behalten die Stuttgarter aber für sich. Generell beträgt der Lieferanteil nach früheren Angaben von Vorstandschef Franz Fehrenbach an jedem europäischen Mittelklassemodell rund 800 Euro. Damit dürfte allein Opel von Bosch Teile im Wert von rund einer Mrd. Euro beziehen. "Wir verfolgen mit Interesse die Arbeit an einem Zukunftskonzept", sagte ein Sprecher nur.

Stark gefordert ist auch der zweitgrößte deutsche Autozulieferer Continental. GM und Opel gehörten zu den größten Kunden von Conti, sagte eine Unternehmenssprecherin. Ob und in welcher Höhe Forderungen offen blieben, könne noch nicht benannt werden. Conti tue alles, um das Risiko so gering wie möglich zu halten. Continental liefert Motorlagersysteme, Reifen und Bremsen an GM.

"Wir sind betroffen, aber es wird uns nicht das Genick brechen", gibt sich ein Sprecher von ZF Friedrichshafen, der Nummer drei der deutschen Zulieferbranche, zuversichtlich. Größere Probleme haben vor allem die kleineren Anbieter. Der deutsche Filterhersteller Mann+Hummel bildete nach eigenen Angaben für die Insolvenz von GM bereits Rückstellungen in einstelliger Millionenhöhe. Bisher habe GM jedoch "pünktlich" gezahlt, sagte Mann+Hummel-Chef Dieter Seipler. Problematisch ist die Situation auch für Firmen wie den Dichtungshersteller Elring Klinger oder den Kabelspezialisten Leoni. Wenn bei GM große Projekte gekürzt werden, schlägt das auf die Nürnberger durch. Beispielsweise soll Leoni die neue weltweite Kleinwagen-Plattform von GM bestücken.

GM selbst hat bereits versucht, die Auswirkungen auf seine Lieferantenkette so gering wie möglich zu halten. Die Opel-Mutter zog nach eigenen Angaben ihre nächsten anstehenden Zahlungen an viele US-Zulieferer um einige Tage von Anfang Juni auf Ende Mai vor.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%