General Motors
Opel-Belegschaft stellt die Machtfrage

Nach dem Rettungsplan ist für Opel-Betriebsratschef Klaus Franz noch lange nicht Schluss. Er fordert weitere Konsequenzen in der Unternehmensstruktur des Mutterkonzerns General Motors in Europa ein. Die Europazentrale in Zürich ist für ihn schlicht überflüssig. Die Kompetenzen sollen nach Rüsselsheim.

RÜSSELSHEIM. Die Opel-Belegschaft hat angesichts des neuen Zukunftsplans für den Autohersteller weitere Konsequenzen in der Unternehmensstruktur des Mutterkonzerns General Motors in Europa eingefordert. „Die neue Struktur, die Opel zum neuen Dach des wesentlichen Teils des GM-Europageschäfts formt, macht sowohl die bisherige Europazentrale von GM in Zürich sowie eine eigenständige europäische Motoreneinheit GM Powertrain in Italien überflüssig“, sagte der stellvertretende Opel-Aufsichtsratsvorsitzende und Betriebsratsvorsitzende Klaus Franz dem Handelsblatt. Die Zentrale der neuen Einheit, die dann alle europäischen Werke von Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall unter ihrem Dach vereint, werde in Deutschland liegen, kündigte GM-Europa-Boss Carl-Peter Forster an.

Klaus Franz, der auch oberster Arbeitnehmervertreter von General Motors in Europa ist, reklamiert damit unverhohlen den Führungsanspruch in Europa für die Marke mit dem Blitz. Erst 2004 hatte der Mutterkonzern GM in einer harten Restrukturierung dem Rüsselsheimer Unternehmen weitreichende Kompetenzen entzogen und die eigentliche Macht im europäischen Konzerngeflecht in die GM-Zentrale nach Zürich verlagert. Die Finanznot des US-Konzerns und der daraus resultierende Einfluss politischer Kräfte zwingen GM in Europa nun aber zu einem radikalen Strategiewechsel. Wird der Zukunftsplan, den der Opel-Aufsichtsrat am Freitag in Rüsselsheim beschloss, umgesetzt, wird der Großteil der europäischen Werke wieder unter das Dach von der deutschen Marke verlagert und die neue Gesellschaft, die offen für neue Investoren ist, voraussichtlich wieder die Form einer Aktiengesellschaft erhalten.

Derzeit hat Opel als 100-Prozent-Tochter von GM nicht einmal ein eigenes Konto. Auch die meisten Standorte gehören der Mutter. In Deutschland hat Opel neben seinem Stammwerk in Rüsselsheim Fabriken in Bochum, Kaiserslautern und Eisenach. Die neue Struktur könnte die Grundlage dafür schaffen, dass eine Bürgschaft nicht in die Konzernzentrale nach Detroit abfließt. Dies gilt nach wie vor als eines der ungelösten Probleme bei den Gesprächen über Staatshilfen in Berlin. Das Konzept enthalte einen „klaren Vorschlag“, wie ein Abfluss der Mittel verhindert werden könne, betonte Forster. Welche Konsequenzen die neue Struktur für das GM-Management in Europa habe, sei aber noch nicht klar.

Auch die deutschen Opel-Werke müssen sich auf neue harte Einschnitte einstellen. „Wir werden unser Geschäft mit möglichst geringen Auswirkungen auf die Arbeitsplätze restrukturieren, aber Tatsache ist, dass wir uns in einer außergewöhnlichen wirtschaftlichen Situation befinden und eventuell Werksschließungen in Betracht gezogen werden müssen“, kündigte Forster an. Der vorlegte Unternehmensplan bis 2014 basiere allerdings auf möglichen öffentlichen Einlagen aus ganz Europa und einer europäischen Restrukturierung ohne Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen – das geht zumindest aus einer internen Mitarbeiterinformation von Opel hervor, die dem Handelsblatt vorliegt. Das neue Unternehmen wird die Marken Opel und Vauxhall umfassen, nicht aber das insolvente schwedische Schwesterunternehmen Saab.

In den europäischen Opel-Werken wird es nach Ansicht des Bochumer Betriebsratsvorsitzenden Rainer Einenkel zu Stellenstreichungen kommen. GM-Europa-Chef Forster betonte, dass auch der Verkauf eines Werkes nicht ausgeschlossen sei, um die Kapazitäten zu reduzieren.

Der Autokonzern Daimler, der von Opel wegen des thüringischen Opel-Werkes Eisenach bereits kontaktiert wurde, hat laut Unternehmenskreisen aber kein ernsthaftes Interesse. Opel-Aufsichtsrat Armin Schild sagte, ein Verkauf des Werkes in Eisenach sei nicht geplant. GM peilt Einsparungen von rund einer Mrd. Euro in Europa an.

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