General Motors strafft die Organisationsstruktur
Opel muss Macht an die Europazentrale abgeben

Der größte Automobilhersteller der Welt, General Motors, ist kurz davor, seinem Geschäft in Europa eine neue Struktur geben. Die Details des Plans stehen zwar noch aus, aber nach Meinung von Branchenkennern ist eines klar: Die Opel-Zentrale in Rüsselsheim wird Befugnisse abgeben müssen.

hof FRANKFURT. Bedeutend mehr Entscheidungen als bislang sollen künftig zentral bei GM Europa in der Schweiz gefällt werden. „Auf mittlere Sicht werden Entwicklung, Produktion und Vertriebsstrategie von Zürich aus gesteuert, der Vertrieb Landesgesellschaften übertragen. Alles andere wäre inkonsequent“, sagt Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research in Gelsenkirchen.

Der Interimschef von GM in Europa, Bob Lutz, hatte angekündigt, den drei europäischen Konzernmarken Opel, Vauxhall und Saab künftig einen Teil der Autonomie bei Entwicklung und Produktion zu nehmen. Es geht darum, das Geschäft nach zahlreichen verlustreichen Jahren möglichst schnell profitabel zu machen. Sowohl Opel in Rüsselsheim als auch die Europazentrale in Zürich hielten sich gestern mit Reaktionen auf die Aussagen von Lutz zurück. Allerdings räumten Sprecher ein, dass die bisherige Organisationsform nicht die effizienteste ist. „Es ist absolut an der Zeit, lähmende Bürokratie und Doppelfunktionen zu beseitigen“ kommentierte auch Opel-Betriebsratschef Klaus Franz den Vorstoß von Lutz. Er mahnte jedoch an, bei aller Notwendigkeit von Synergien die Eigenständigkeit der Marken nicht zu gefährden und Fehler aus der Vergangenheit nicht zu wiederholen.

Kernpunkte der neuen Organisationsstruktur dürften eine noch engere Verzahnung der Entwicklungseinheiten mit dem Ziel, mehr gleiche Teile unter den Marken auszutauschen, sowie eine flexiblere Produktionsorganisation sein. Konkurrenten wie Ford haben den Fertigungsverbund bereits so umgebaut, dass auf Nachfrageschwankungen besser reagiert werden kann.

Bei GM soll die Produktion künftig nicht mehr wie bisher an die Marke, sondern an die Plattform gebunden sein. Das könnte bedeuten, dass künftig bei Opel in Rüsselsheim oder Bochum auch Autos von Saab oder der koreanischen GM-Konzerntochter Daewoo vom Band laufen. Sogar eine Fertigung von Cadillac wäre in Europa denkbar, wenn das Auto auf der gleichen Bodengruppe wie bereits jetzt der Opel Vectra und der Saab 9-3 gebaut werden.

Nach Aussagen der Unternehmenssprecher ist es noch viel zu früh, Auswirkungen auf die Arbeitsplätze an den einzelnen Standorten aus der Umstrukturierung abzuleiten. „Jetzt wird erst einmal der Schalter umgelegt“, hieß es. Opel und die Schwestermarke Vauxhall fertigen in Europa mehr als 1,5 Millionen Autos im Jahr, Saab rund 120 000. Im vergangenen Jahr hat GM in Europa einen Verlust von 286 Mill. $ erlitten, das Jahresziel 2004 von maximal 100 Mill. $ Verlust steht nach dem ersten Quartal mit einem Minus von 116 Mill. $ bereits in Frage.

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