Industrie
General Motors trotz Absatzoffensive mit schwachem Quartal

dpa-afx DETROIT. Der weltgrößte Autokonzern General Motors hat trotz der mit neuen Rabatten erfolgreich angekurbelten Verkaufszahlen nach Ansicht von Analysten seine Ertragskrise noch nicht überwunden. Im zweiten Quartal schramme das Unternehmen aus Detroit mit einem voraussichtlichen Gewinn je Aktie (EPS) von lediglich zwei Cent nur knapp an der Verlustzone vorbei, glauben die 15 von Thomson First Call befragten Marktexperten. Vor einem Jahr verdiente der Konzern zwischen April und Juni noch 2,36 Dollar je Aktie. GM legt am Mittwoch (20.Juli) die aktuelle Zwischenbilanz vor.

Nachdem GM seine Autos im Juni zu Mitarbeiterpreisen feilbot, schoss der US-Absatz um mehr als 40 Prozent in die Höhe. Doch die Rabatte von mehreren tausend Dollar je Auto schmälern Erlöse und Margen. So wird ein Quartalsumsatz von 38,9 Mrd. Dollar erwartet - gut zehn Mrd. Dollar weniger als vor einem Jahr. Konzernchef Rick Wagoner hatte nach den tiefroten Zahlen im ersten Quartal reagiert: Bis 2008 sollen in den USA 25 000 Stellen gestrichen und mehrere Werke geschlossen werden. Dies soll die Kosten um 2,5 Mrd. Dollar reduzieren.

ZU Hohe Fixkosten

Führende Analysten warnen davor, das "Absatzwunder aus dem Juni" überzubewerten. GM hat zwar die Halde der mehr als eine Million bei den Händlern stehenden Autos kräftig reduziert und den Marktanteil wieder über 30 Prozent gesteigert, doch in Summe nur einige zehntausend Kunden von den Konkurrenten Chrysler, Ford oder Toyota abwerben können. "Wir applaudieren GM dafür, den Lagerbestand auf eine sehr effiziente Weise abgebaut zu haben, das grundlegende Problem von GM wird damit aber nicht gelöst", sagt Deutsche Bank-Analyst Rod Lache. Wagoner müsse dringend die Fixkosten in den Griff bekommen und dem Unternehmen eine Schrumpfkur auf eine profitable und dem Markt angemessene Größe verordnen.

Deutlich optimistischer bewertet die Investmentbank Lehman Brothers die Lage von GM. "Die Geschichte vom Pleite- zum Turnaround-Kandidaten hat sich schneller gedreht als eine Corvette die Viertelmeile fahren kann", sagt Analyst Darren Kimball. Doch das Signal zur Entwarnung bei General Motors dürfte verfrüht sein. Solange GM die jährlichen Kosten von 5,6 Mrd. Dollar für Gesundheit und Pensionen seiner Mitarbeiter und Pensionäre nicht drastisch abbauen kann, wird die Situation bedrohlich bleiben. Die Gespräche mit der Autogewerkschaft UAW dauern an. Deutsche Bank-Analyst Lache sagt, GM stehe vor zwei Alternativen: Entweder klein beigeben und nur moderate Kürzungen akzeptieren, oder mit dem Säbel rasseln und im schlimmsten Fall einen Streik riskieren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%