General Motors
Whitacre zündet die nächsten Feuer an

General Motors hat neben Opel noch zahlreiche andere Probleme. Der neue Verwaltungsratschef Ed Whitacre legt den Finger in fast jede Wunde. Einige seiner Äußerungen müssen Vorstandschef Frederick Henderson wie Marschbefehle vorkommen.
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NEW YORK/FRANKFURT. Ed Whitacre verstärkt den Druck auf das Management von General Motors (GM). Der von der US-Regierung ausgewählte Chairman des Autokonzerns hat in ersten Interviews die Machtverschiebungen vom Management zum Verwaltungsrat nachhaltig unterstrichen. „Es ist ein aktives Board. Das ist eine sehr gute Sache", sagte Whitacre dem „Wall Street Journal“. Einige seiner Äußerungen müssen GM-Vorstandschef Frederick Henderson wie Marschbefehle vorkommen, nachdem ihn der Verwaltungsrat gerade erst beim geplatzten Verkauf des Europageschäfts überstimmt hatte: „Wie kann man ein globaler Spieler sein, wenn man nicht weltweit tätig ist?“, verteidigte Whitacre die Entscheidung, Opel im eigenen Konzern zu behalten. Dabei legte der Ex-Chef des Telekomkonzerns AT&T seine Finger in weitere Wunden: Den GM-Businessplan 2010 hält Whitacre für zu optimistisch und Spekulationen über einen baldigen Börsengang für verfrüht. Henderson hatte zuletzt öffentlich einen Börsengang von GM im zweiten Halbjahr 2010 in Aussicht gestellt. Whitacre entgegnete, dass es bisher keinen Zeitplan für einen Börsengang gebe. Vorrang habe die Begleichung von Schulden gegenüber der US-Regierung.

Whitacre sieht den Absatzmarkt noch skeptisch

GM will nach einem staatlich kontrollierten Insolvenzverfahren wenigstens einen kleinen Teil der Rettungskredite so schnell wie möglich zurückzahlen, auch um sein ramponiertes Image in der Öffentlichkeit zu verbessern. Insgesamt bekam GM Hilfen von 50 Mrd. Dollar, wofür der Staat im Gegenzug 60 Prozent der Anteile am neuen GM-Konzern übernahm. Laut „Wall Street Journal“ liegen derzeit 13,4 Mrd. Dollar auf einem Treuhandkonto von GM. Whitacre stellte in Aussicht, womöglich noch vor Jahresende mit der Abzahlung seiner Schulden zu beginnen. Dabei könnten 6,7 Mrd. Dollar, die GM an direkten Krediten gewährt wurden, wieder zurück nach Washington überwiesen werden.

Die jüngsten positiven Botschaften vom Absatzmarkt sieht Whitacre noch skeptisch. GM hatte im Oktober zwar vier Prozent mehr Autos verkauft als im Vorjahr, allerdings auf Kosten hoher Rabatte. Die Prognose von Vorstandschef Henderson, dass der US-Absatzmarkt 2010 wieder auf 11,5 Mio. Autos wachse, hält der Chairman im Zuge steigender Arbeitslosigkeit für gewagt: „Wir sind alle eine bisschen nervös, was diese Zahl angeht“, sagte Whitacre. Es gehe nicht um „Business as usual“, sondern um einen neuen GM-Konzern, „einen neuen Weg, um sein Geschäft zu betreiben“, betonte Whitacre gegenüber Bloomberg.

Branchenexperten halten den eisernen Kurs des Verwaltungsratschefs für notwendig: Es sei vermutlich der einzige Weg, eine Firma wie GM zu sanieren, sagte Professor Daniel Snow von der Harvard Business School: Mit seiner Strategie, „Feuer anzuzünden“, könne Whitacre einen Kulturwandel innerhalb der GM-Belegschaft herbeiführen. Henderson, der als langjähriger Vize des früheren Chairman und CEO Rick Wagoner eng mit dem Absturz des alten GM-Konzerns verbunden ist, verkörpert diesen Stimmungswandel nicht.

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