Generika Razzia bei europäischen Pharmaunternehmen

Europäische Pharmahersteller haben am Freitag ungebetenen Besuch bekommen. EU-Ermittler haben Geschäftsräume mehrere Firmen durchsucht. Der Verdacht: Sie sollen alleine oder gemeinsam die Einführung von Generika-Produkten verzögern, um Umsatzeinbußen abzuwenden.
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AstraZeneca bestätigte, dass Ermittlungen laufen. Quelle: ap

AstraZeneca bestätigte, dass Ermittlungen laufen.

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HB BRÜSSEL. Mit einer Reihe von Razzien sind die europäischen Kartellwächter Pharmafirmen in mehreren Ländern zu Leibe gerückt. Dabei geht es um den Verdacht, dass Arzneimittelhersteller die Einführung günstigerer Nachahmerpräparate verzögern, um so Umsatzrückgänge bei eigenen, wichtigen Medikamenten zu bremsen. Erneut steht der britisch-schwedische Pharmariese AstraZeneca im Visier der EU-Kommission.

Diese teilte am Freitag in Brüssel mit, bereits am Dienstag habe es in der Branche unangekündigte Durchsuchungen gegeben. Es gebe Grund zu der Annahme, dass die betroffenen Unternehmen entweder alleine oder gemeinschaftlich den Marktstart bestimmter Generika-Präparate verschleppt und damit dem Wettbewerb behindert hätten. Die Untersuchung sei aber noch in einem frühen Stadium.

Die EU-Kommission nannte keine Namen der Firmen. AstraZeneca räumte ein, zu den betroffenen Unternehmen zu gehören. Im Blickpunkt der Kommission stehe das umsatzstarke Magenmedikament Nexium. Der Konzern werde mit den Behörden zusammenarbeiten. Auch Nycomed aus der Schweiz bekam nach eigenen Angaben an zwei deutschen Standorten Besuch von den Wettbewerbshütern.

Bayer ist dagegen nicht von den Untersuchungen betroffen, wie der größte deutsche Arzneimittelhersteller mitteilte. Ebenso äußerten sich die Pharmariesen GlaxoSmithKline, Sanofi-Aventis, Novartis, Roche, Abbott, Johnson & Johnson, Pfizer, Novo Nordisk, Lundbeck und Servier.

AstraZeneca war bereits im Jahr 2005 ins Visier der Kartellwächter geraten. Damals kam die Kommission zu dem Schluss, das Unternehmen habe zwischen 1993 und 2000 den Marktstart günstigerer Kopien seines Magenmittels Losec verhindert oder hinausgezögert. Losec ist der Vorgänger von Nexium. Gegen den Konzern wurde deswegen zunächst eine Strafe von 60 Millionen Euro verhängt, die dann auf 52,5 Millionen Euro gesenkt wurde.

Der Patentschutz für Nexium ist bereits in einer Reihe von EU-Staaten abgelaufen. Bislang ist der Wettbewerb durch Generika aber begrenzt. Im Oktober hatten mehrere Generikahersteller billigere Kopien des Präparats in Deutschland auf den Markt gebracht. Auch in Spanien ist AstraZeneca zufolge bereits ein Nachahmer erhältlich. Nexium war 2009 mit Umsätzen von fünf Milliarden Dollar das umsatzstärkste Medikament des Konzerns. In diesem Jahr wurde es auf dieser Rangliste von dem Blutfett-Medikament Crestor verdrängt.

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