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13.05.2008 
Patentfreie Medikamente

Generikabranche mit Licht und Schatten

von Siegfried Hofmann

Das Geschäft mit patentfreien Medikamenten bleibt lukrativ. Doch bei den Herstellern offenbaren sich zusehends größere Unterschiede in Performance und Ertragskraft. Vielen fällt es offenbar schwer, die Margen zu halten. Dabei bescheinigen die meisten Fachleute dem Markt für Nachahmer-Medikamente (Generika) weiterhin goldene Zeiten.

FRANKFURT. IMS Health etwa, der führende Marktforscher im Pharmasektor, prognostiziert für die Branche für 2008 ein Wachstum von etwa 14 Prozent auf mehr als 70 Mrd. Dollar. Erstmals dürften Generika damit einen Anteil von rund zehn Prozent des Weltpharmamarktes erobern.

Mit dem Marktwachstum intensiviert sich allerdings in vielen Segmenten der Preiswettbewerb. Auf längere Sicht werden daher nach Einschätzung vieler Branchenvertreter nur noch wenige große Hersteller die Früchte des Booms ernten. Das Ziel, Skalenvorteilen in Produktion und Logistik aufzubauen, dürfte daher auch in den nächsten Jahren Investitions- und Übernahmestrategien stark beeinflussen. Bereits in den vergangenen Jahren führte dies zu einer Fusionswelle, an der sich fast alle großen Generikaanbieter beteiligten. Die Top 10 der Branche bestreiten inzwischen etwa 50 Prozent des Marktes. Das heißt, der Konzentrationsgrad innerhalb des Generikasegments ist inzwischen bereits etwas höher als bei den Originalherstellern (wo die führenden zehn Firmen etwa 45 Prozent des relevanten Marktes halten).

Unterdessen zeigen die jüngsten Quartalsdaten, dass die operative Performance keineswegs überall von den Expansionsstrategien profitiert. Während Marktführer Teva weiterhin mit relativ kräftigem Wachstum glänzte, verbuchten mehrere US-Hersteller auf bereinigter Basis Umsatzeinbußen und zum Teil auch Gewinnrückgänge.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Warum der Preisdruck in der Branche zunimmt.

Der US-Konzern Mylan etwa konnte dank der Übernahme der Generikasparte von Merck/Darmstadt zwar seinen Umsatz im ersten Quartal 2008 verdoppeln. Ohne den Effekt wären die Erlöse von Mylan indessen um fast ein Viertel gesunken. Der Börsenkurs des Konzerns hat sich seit dem Merck-Deal fast halbiert. Barr Pharmaceuticals konnte den Umsatz zwar leicht steigern, verbuchte aber ebenso wie Mylan einen Rückgang beim operativen Gewinn um rund ein Fünftel. In Europa zeigten sich Analysten relativ enttäuscht von Sandoz, der Generika-Tochter von Novartis, die nach einem relativ starken Jahr 2007 im ersten Quartal 2008 währungsbereinigt nur noch um zwei Prozent zulegte.

"Der Preisdruck in der Branche nimmt weiter zu und ist am schlimmsten bei Massenprodukten, die einfach herzustellen sind", urteilen Analysten von Nomura Code in ihrer jüngsten Sektor-Studie. In Europa tragen dazu unter anderem neue Rabattsysteme der Kassen bei, in den USA die Versuche indischer Anbieter, mit Niedrigstpreisen neue Marktanteile zu erobern. Manche Beobachter sprechen gar von einer katastrophalen Entwicklung auf dem US-Markt.

Hinzu kommt das Problem, dass vor allem in den USA die Erträge stark davon abhängen, ob man sich eine sechsmonatige Exklusivität für neue Generika sichern kann. Einen solchen Status garantiert der US-Gesetzgeber dem Hersteller, der als erster ein Nachahmerprodukt auf den Markt bringt oder das entsprechende Patent attackiert. Gelingt es nicht, auf diese Weise stetig in Front zu liegen, sind heftige Schwankungen programmiert. Die indische Gruppe Dr. Reddy's etwa verbuchte 2007 starke Einbußen in den USA, weil mehrere Exklusiv-Verträge ausgelaufen waren und keine neuen folgten.

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