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20.03.2007 
Arzneimittelwirtschaftlichkeitsgesetz

Generikahersteller beklagen Umsatzrückgänge

von Peter Thelen

Die Generikahersteller klagen über sinkende Umsätze, seit im April vergangenen Jahres das Arzneimittelwirtschaftlichkeitsgesetz in Kraft getreten ist. „Der seit neun Monaten anhaltende Abwärtstrend setzt sich fort“, sagte der Geschäftsführer von Pro-Generika, Herrmann Hofmann dem Handelsblatt (Mittwochsausgabe). Er fürchtet besonders um die neue Generikageneration biotechnologischer Medikamente

Nachahmerprodukte sind erheblich billiger als die Originale. Allerdings könnte es ohne die teuren Originale auch keine Generika geben. Foto: dpa Lupe

Nachahmerprodukte sind erheblich billiger als die Originale. Allerdings könnte es ohne die teuren Originale auch keine Generika geben. Foto: dpa

BERLIN. Nach neuen Daten aus dem Januar gingen die Umsätze mit zu Lasten der Krankenkassen verordneten Generika gemessen in Herstellerpreisen um 3,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zurück – obwohl 5,2 Prozent mehr Packungen verkauft wurden. Schuld sei der von der Politik der Bundesregierung ausgelöste Preisverfall am Generikamarkt, so Hofmann.

Er befürchtet, dass sich dieser Trend in den nächsten Monaten verstärkt fortsetzen wird, sollten die Kassen ihre in den vergangenen Wochen eingeleitete Strategie fortsetzen, die Generikapreise durch Rabattverträge mit einzelnen Herstellern weiter unter Druck zu setzen. Den Kassen wirft der Pharmaverbandschef vor,„mit einer Politik des schnellen Geldes“ ausgerechnet den Teil der Pharmaindustrie „wie eine Zitrone auszuquetschen“, der in der Vergangenheit für Kostenssenkungen gesorgt hat; der Verband vertritt rund 20 Generikaunternehmen einschließlich der Marktführer Ratiopharm, Stada und Hexal.

Jährlich sparten die Kassen Dank der Tatsache, dass die Generikahersteller nach dem Patentablauf teurer Originalpräparate schnell preiswerte Nachahmerprodukte auf den Markt brächten, rund drei Mrd. Euro, rechnet Hofmann vor. „Dies könnte bald anders werden, wenn die Kassen so weiter machen und einseitig nur den Generikamarkt unter Druck setzen“, warnte Hofmann. Er fürchtet vor allem, dass den großen deutschen Generikaherstellern am Ende das Geld fehlen könnte, in die sehr teuren Produktionsverfahren für die neue Generikageneration biotechnologischer Medikamente zu investieren.

Tatsächlich laufen bis 2010 die Patente für Biotech-Wirkstoffe mit einem Gesamtumsatz von rund zwei Mrd. Euro aus. Wolfgang Kaesbach, Arzneimittelexperte des BKK-Bundesverbands, bestätigte, dass der Nachbau dieser Medikamente weit schwieriger und damit deutlich teurer sein werde, als die Herstellung traditioneller chemisch hergestellter Pillen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Krankenkassen-Experte sieht Investitionskraft nicht gefährdet

Gleichwohl sieht der Krankenkassen-Experte durch die Preissenkungen die Investitionskraft der Branche nicht gefährdet. „Deutscher Generika sind immer noch deutlich teurer als vergleichbare Produkte außerhalb der EU, etwa in den USA oder Indien.“ Insofern finde in Deutschland nur statt, was auf anderen nationalen Märkten längst passiert sei. „Richtig ist, dass die Sparpolitik bislang vor allem den nicht unter Patentschutz liegenden Markt ins Visier genommen hat,“ fügt er hinzu. Dies gelte für die Festbeträge, über die die Kassen für viele Wirkstoffe Preise vorgeben, die sie maximal erstatten. Auch der Zwangsrabatt von zehn Prozent treffe einseitig die Generikabranche.

Diesen Rabatt können die Unternehmen seit 2006 umgehen, wenn sie ihre Produkte 30 Prozent unter Festbetrag anbieten. Hofmann macht vor allem diese Neuregelung für den Preisrutsch der vergangenen Monate verantwortlich. Das bestreitet auch Kaesbach nicht. „Die Unternehmen haben sich aber freiwillig dazu entschieden, in der Hoffnung so ihre Marktanteile zu erhöhen“, hält er dagegen.

Dieses Motiv haben auch die Unternehmen, die Preisrabatte mit den Ortskrankenkassen, dem Verband der Angestelltenkrankenkassen oder einzelnen Kassen wie der Barmer aushandeln. Bislang machen dies vor allem kleine Hersteller, die bei den rabattierten Produkten Marktanteile von unter einem Prozent haben. Aber auch Global Player wie der israelische Hersteller Teva, größter Generikahersteller der Welt, versuchen über Rabattverträge den Platzhirschen auf dem deutschen Markt wie Ratiopharm und Stada Marktanteile abzujagen. „Wenn diese Strategie aufgeht, könnten deutsche Unternehmen mit Produktionsverlagerungen ins Ausland reagieren. Das kostet Jobs“, warnte Hofmann. Profitieren würden am Ende die forschenden Hersteller. Immerhin das sieht Kaesbach ähnlich: „Die Kassenausgaben für die patentgeschützten Medikamente dieser Firmen wachsen leider weiter unbegrenzt.“ Nach IMS-Daten lag ihr Anteil am von den Krankenkassen finanzierten Arzneimittelmarkt im Januar in Herstellerpreisen bei rund 70 Prozent nach 67 Prozent im Durchschnitt des Jahres 2006.

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