Generikakonzerne
Actavis-Verkauf erleichtert die Deutsche Bank

Der US-Generikahersteller Watson übernimmt seinen Schweizer Konkurrenten für über vier Milliarden Euro. Bislang wurde Actavis faktisch von der Deutschen Bank kontrolliert. Dort wird nun wieder Eigenkapital freigesetzt.
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New York/FrankfurtDer US-Generikahersteller Watson übernimmt für 4,25 Milliarden Euro den in der Schweiz ansässigen Konkurrenten Actavis. Damit werde der Konzern zum weltweit drittgrößten Hersteller von Nachahmermedikamenten mit einem Pro-Forma-Umsatz von acht Milliarden Dollar in diesem Jahr, teilte Watson am Mittwoch nach US-Börsenschluss mit.

Der US-Konzern erwartet demnach Synergien von jährlich 300 Millionen Dollar binnen drei Jahren nach der Fusion. Sowohl Watson als auch Actavis gehören bereits zu den Top-Firmen der Branche - in Konkurrenz zur israelischen Ratiopharm-Mutter Teva und der Novartis -Tochter Sandoz. Reuters hatte bereits am Montag aus Branchenkreisen von der für Mittwoch geplanten Bekanntgabe des Deals erfahren.

Für Watson ist die Übernahme der Schweizer die letzte große Etappe seiner seit Jahren anhaltenden Einkaufstour. Damit sei die Expansion des Konzerns zu einem weltweit führenden Generika-Unternehmen im Wesentlichen abgeschlossen, erklärte Watson-Chef Paul Bisaro. Mit dem Geschäft stärke Watson seine Position „in den etablierten europäischen Schlüsselmärkten sowie in spannenden aufstrebenden Wachstumsmärkten einschließlich Zentral- und Osteuropa sowie Russland“. Nachbörslich legte die Aktie des Konzerns vier Prozent zu, nachdem sie seit ersten Berichten über die Kaufpläne bereits mehr als 18 Prozent geklettert war.

Auch die Deutsche Bank profitiert von der Übernahme: Sie hat ein Sorgenkind weniger. Der Verkauf sorgt in den Zwillingstürmen des Frankfurter Instituts für Erleichterung. Denn das größte deutsche Geldhaus ist größter Gläubiger von Actavis. Nach dem Verkauf kommt es zu einer Ablösung des Kredits.

Das Institut werde sein Engagement bei Actavis mit Abschluss der Übernahme beenden, teilte die Deutsche Bank am Mittwochabend mit. Damit wird bei der Deutschen Bank Eigenkapital freigesetzt - ein knappes Gut in Zeiten härterer Regulierung.

Das Geschäft werde voraussichtlich im vierten Quartal vollzogen, wodurch sich das Kernkapital (Tier-1) des Instituts zum Jahresende um 290 Millionen Euro erhöhen werde, erklärte das Haus. Die Kernkapitalquote verbessere sich dadurch um rund sechs Basispunkte.

Neben Actavis machen der Deutschen Bank noch weitere Engagements zu schaffen, die nicht zum Kerngeschäft gehören. An erster Stelle ist das Kasino Cosmopolitan in Las Vegas zu nennen, das das Institut finanziert hat. Die ursprünglichen Bauträger haben sich an dem Projekt verhoben, daher fiel es der Bank zu. Sie musste bereits hohe Abschreibungen darauf verkraften.

Zugleich muss das Institut aber auch nochmals eine Abschreibung verkraften in Höhe von 257 Millionen Euro. Bereits im Schlussquartal 2011 musste das Institut rund 400 Millionen Euro abschreiben. Das Geldhaus hatte 2007 die Akquisition der damals noch isländischen Firma durch den Milliardär Björgolfur Thor Björgolfsson finanziert. Als größter Gläubiger war die Bank Finanzkreisen zufolge eine treibende Kraft hinter dem Verkauf.

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