Genfer Autosalon
Borgwards Traumwelt

Auf die Wiederbelebung der Automarke Borgward hat die Welt nicht gewartet. Für einen indes geht ein Traum in Erfüllung - und von dem will er jetzt möglichst viele Menschen begeistern.

GenfEin Hangar am Rande des Flughafens Genf. Im Hintergrund rollen die Privatjets der Bosse von Daimler und Volkswagen aus und entlassen ihre Passagiere in den Trubel des Genfer Autosalons. Im Hangar hat die Firma Borgward eine Fläche mit Bändern abtrennen lassen. Drei Flugzeuge mit aufgeklappten Turbinen nach oben gekippten Schnauzen füllen den Großteil der Halle aus. An einen Stehtisch hat sich Christian Borgward mit seiner Lebensgefährtin positioniert. Er hat im Blick wie die knapp 200 Gäste und Journalisten in den Hangar kommen.

Borgward, grauer Anzug, weißes Hemd, rund 1,75 Meter hoch, läuft Gefahr, auf seiner eigenen Party übersehen zu werden. So unauffällig seine Erscheinung ist, so zurückhaltend ist sein Auftritt. Ohne ihn allerdings, gäbe es diese Veranstaltung nicht und auch nicht die drei Fahrzeuge, die später in den Hangar fahren sollten.

Vor zwölf Jahren sei ihm die Idee gekommen, die von seinem Großvater Carl F. W. Borgward gegründete Marke wiederzubeleben, sagt er. In den sechziger Jahren war der Autobauer pleite gegangen. „Wir haben nun die Chance, das Lebenswerk meines Vaters zu vollenden.“ Die Worte mögen pathetisch klingen, aber so meint er es auch. Auslöser war der Tod seines Vaters, berichtet Borgward. Er wollte nicht akzeptieren, dass der Name Borgward ganz aus dem Gedächtnis getilgt wird.

Also machte er sich auf die Suche nach einem Partner - und fand diesen schließlich im chinesischen Konzern Foton. Das Unternehmen baut bislang Nutzfahrzeuge und will mit der Marke Borgward in das Pkw-Geschäft vorstoßen.

Die Rückkehr der Traditionsmarke verkündete die Firma vor einem Jahr in Genf - und erntete Spott und Häme. Ein konkretes Modell stellte Borgward nicht vor. Auch als die Neueinsteiger im September auf der Automesse in Frankfurt ein erste Auto präsentierten, war das Urteil der meisten Motorjournalisten wenig freundlich. Der sportliche Geländewagen sehe zu sehr nach Porsche oder Audi aus, lautete die Kritik.

Diese wird nun immer leiser. In Genf präsentierte Borgward zwei weitere Geländeautos. Dieser Fokus auf diese sogenannten SUVs macht Sin, zumindest kommerziell. Borgward geht zunächst in China an den Start. „Verkaufsstart wird im April sein“, sagt Borgward. Ende kommenden Jahres sollen die Autos dann auch nach Europa kommen. Dann allerdings mit Hybridantrieb oder als reine Elektromobile, wie Vorstandschef Ulrich Walker angekündigt hat.

Braucht die Welt indes eine neue Automarke? Der Markt ist dicht besetzt von Herstellern, die über Jahrzehnte hinweg Fahrzeuge gebaut haben. Neue Gründungen wie Tesla stoßen in das Geschäft, weil sich mit dem Umschwung auf Elektromobilität ein Fenster geöffnet hat.

Die Entwicklung neuer Motoren kostet viel Geld. Daimler bezifferte die Ausgaben für sein neustes Aggregat auf über zwei Milliarden Euro. Mit einem Bruchteil davon gründet Borgward eine neue Firma und entwickelt eine Reihe von neuen Autos.

Das große Geld wird Christian Borgward wohl nicht verdienen. Er ist zwar Aufsichtsratschef des Unternehmens, aber er hält nach eigenem Bekunden keine Anteile. „Die Firma ist zu 100 Prozent im Besitz von Foton“, sagt er.

Christian Borgward erntet indes etwas, was für ihn wichtiger als Geld ist. „Für mich geht ein Traum in Erfüllung“, sagt er. Der zurückhaltende Mann mit dem grauen Anzug hat vielleicht weniger mit den Managern der Autoindustrie gemein, als mit den Gründern aus dem Silicon Valley.

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