George Soros setzt sich in Verhandlungen mit französischem Chemiekonzern durch
Rhodia will US-Privatanleihe vorzeitig zurückzahlen

Bei seinen Bemühungen, den französischen Chemiekonzern Rhodia wieder auf eine gesunde Basis zu stellen, hat Vorstandschef Jean-Pierre Clamadieu offenbar einen Rückschlag erlitten. Nach harten Verhandlungen mit zwölf US-Fondsgesellschaften, die im Besitz einer in den USA privat platzierten Rhodia-Anleihe in Höhe von 250 Mill. $ sind, kommt Clamadieu wohl um eine vorzeitige Rückzahlung dieser Summe nicht mehr herum.

DÜSSELDORF. Die Anleihe in zwei Tranchen mit Fälligkeit 2009 und 2012 war vor einigen Jahren in den USA außerbörslich untergebracht worden, als Rhodia von den Rating-Agenturen noch erheblich besser eingestuft war als heute. Bei den aktuellen Ratings, die Rhodias Schulden als hochriskante Investments einstufen, haben sich die Inhaber der Anleihen auf eine Klausel berufen, die für diesen Fall eine sofortige Rückzahlung und ein Strafgeld von weiteren 50 Mill. $ vorsieht

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Nach Informationen der Wirtschaftszeitung „La Tribune“ hat sich Clamadieu von den US-Hedge- Fonds, die nach früheren Berichten vom Investment-Tycoon George Soros angeführt werden, bewegen lassen, die Anleihe in zwei Raten bis zum Sommer zurück zu zahlen. Die Fonds, die die ursprünglich bei einigen Versicherungen platzierten Anleihen mit einem erheblichen Abschlag gekauft haben, können laut „La Tribune“ mit 40 % Gewinn rechnen. Rhodias Finanzen dagegen würde eine schnelle Rückzahlung belasten: Rhodia hatte erst Ende Dezember mit seinen Gläubigerbanken einen Rettungsplan vereinbart.

Dieser sieht die Verlängerung von alten Krediten im Volumen von fast 1 Mrd. Euro vor, ferner neue Kreditlinien von insgesamt 758 Mill. Euro und eine Kapitalerhöhung von 300 Mill. Euro. Bis Jahresende will der Konzern sich von bis zu zwei Kernsparten trennen und damit 700 Mill. Euro aufbringen.

Unter den Verkaufskandidaten sind Geschäftsbereiche, in denen der französische Konzern an der Weltspitze mitspielt. Die angekündigte Umsatzgröße der Verkäufe deutet auf die Trennung von den Vorprodukten für die Lebensmittel- und Waschmittelindustrie, die 28 % zum Konzernumsatz beisteuern. Anderenfalls käme der Verkauf von je zwei Einheiten aus dem Kreis der Sparten Nylon (20 % Umsatzanteil), Feinchemie (17 %) und Silikone und Kautschuk (16 %) in Frage. Auch die Azetate mit 8 % Umsatzanteil könnten zum Verkauf kommen.

Wenn Clamadieu es schafft, die Sparten für das branchenübliche Siebenfache des laufenden Gewinns vor Steuern und Abschreibungen (Ebitda) zu verkaufen, könnte er sogar bis zu 1,3 Mrd. Euro erlösen. Die neuen Kredite gelten als eine Art Vorschuss auf diese Verkaufserlöse.

Daher hatten die Banken zur Bedingung gemacht, dass Clamadieu dieses Jahr höchstens 125 Mill. Euro an die Amerikaner zurückzahlen dürfe. Doch ist deren Rechtsposition offenbar solide, so dass dem Rhodia-Boss kaum eine Wahl bleibt. Die Anleger hoffen offenbar, dass Clamadieu die Rückzahlung einkalkuliert hat. Die Aktie stieg gestern bis zu 4,1 % auf Werte um 3,28 Euro.

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