Geplante Fusion
Conti-Aktionäre fürchten Schaeffler-Macht

Die freien Continental-Aktionäre fürchten, dass sie bei einer Fusion mit Schaeffler erhebliche Kosten zu tragen haben. Ein Brief von Conti-Boss Neumann sorgt jetzt für neue Aufregung. Die Situation spitzt sich zu. Über die heiklen Fragen eines umstrittenen Zusammenschlusses.

MÜNCHEN. Die freien Continental-Aktionäre fürchten, dass der Großaktionär Schaeffler sie bei einer Fusion über den Tisch ziehen könnte. Ein Preis von mehr als zehn Mrd. Euro für das operative Schaeffler-Geschäft sei "lediglich die nächste Nummer der realitätsfernen Wunschliste der Schaefflers", sagte der frühere Chef der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DWS), Christian Strenger, dem Handelsblatt.

In einem Brief an Führung und Eigentümer von Schaeffler hatte Conti-Boss Karl-Thomas Neumann eine Bewertung Schaefflers von deutlich mehr als zehn Mrd. Euro zurückgewiesen. Der Herzogenauracher Konzern erklärte daraufhin, es habe sich bei dieser Zahl um die interne Berechnung einer Investmentbank gehandelt: "Das hat nichts damit zu tun, zu welchem Wert Schaeffler in Conti eingebracht werden könnte."

Bei der DSW heißt es, Schaeffler wolle derzeit offenbar die sich zuspitzende Situation bei Conti ausnutzen: "Das kann zu Lasten der übrigen Aktionäre gehen", sagte der niedersächsische Landesgeschäftsführer Frank-Holger Lange dem Handelsblatt. "Das Machtgebaren von Schaeffler wird auf dem Rücken der freien Aktionäre ausgetragen." Die kolportierten zehn Mrd. Euro seien eine "märchenhafte Summe, die mit der Realität nichts zu tun hat". Die Aktionärsschützer wollen bei einer möglichen Fusion genau hinschauen.

Beim eigentlich gewünschten Zusammenschluss der beiden Unternehmen unter dem Dach der Continental AG ist die Bewertung eine der heikelsten Fragen. Schließlich hat Conti neben den 90 Prozent, die Schaeffler direkt und indirekt hält, auch noch rund zehn Prozent außenstehende Aktionäre.

Er hoffe, dass der Conti-Aufsichtsratsvorsitzende Rolf Koerfer, der als Schaeffler-Vertrauter gilt, nicht versuche, die Conti-Führung von einem Gebot in Höhe von zehn Mrd. Euro zu überzeugen, sagte Strenger. Der frühere DWS-Chef hatte versucht, die Berufung Koerfers in den Conti-Aufsichtsrat zu verhindern, da er fürchtet, dass dieser stärker auf die Schaeffler-Interessen, denn auf die von Conti achten könnte.

Eine Bewertung des Schaeffler-Geschäfts mit mehr als zehn Mrd. Euro erscheine hoch, sagte Unicredit-Analyst Georg Stürzer. Allerdings könne man nur spekulieren, da man über die operative Entwicklung von Schaeffler zu wenig wisse. "Für uns als Außenstehende ist das eine Black Box."

Strenger wies darauf hin, dass sich Schaeffler im vergangenen Sommer beim offiziellen Übernahmeangebot selbst mit nur etwa vier Mrd. Euro bewertet habe. Damals sei das wirtschaftliche Umfeld aber wesentlich besser gewesen. Wenn Conti das zusätzliche Geld von den Banken bekomme, halte er allenfalls einen Preis von drei bis 3,5 Mrd. Euro für Schaeffler - ohne Übernahme der Schulden - für vertretbar, sagte Strenger.

Conti-Chef Neumann will bei der mit Spannung erwarteten Aufsichtsratssitzung am 30. Juli seine Vorschläge zur Zukunft des Unternehmens vorlegen: einen Integrationsplan für eine Fusion und eine Lösung der Finanzierungsprobleme ohne Schaeffler. Letzteres würde eine Kapitalerhöhung mit einem Volumen von mehr als einer Mrd. Euro bedeuten. Allerdings geht man in Industriekreisen davon aus, dass ein solcher Schritt nicht gegen den Willen des Großaktionärs Schaeffler möglich wäre. In Herzogenaurach gibt es aber Widerstand, da die eigenen Anteile verwässert würden.

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München
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