Geplante Übernahme durch Tata Steel
Nach sieben Jahren ist Corus reif für eine neue Ehe

Seit zwei Jahren schreibt der Stahlhersteller Corus wieder schwarze Zahlen. Der britisch-niederländische Konzern ist zwar erstarkt, doch die Verhandlungsposition beginnt sich für Vorstandschef Philippe Varin schon wieder zu verschlechtern.

LONDON. Im Jahr 1999 durfte sich Corus noch als Trendsetter fühlen. Der Konzern war aus der ersten großen grenzüberschreitenden Stahlfusion in Europa zwischen British Steel und der niederländischen Hoogovens entstanden. Doch Corus war kein europäischer Champion, sondern ein Koloss, der auf einem starken niederländischen und einem lahmen britischen Bein von einer Krise in die andere stolperte.

2002 blies Corus die vereinbarte Fusion mit der brasilianischen CSN ab. Sie hätte das Problem gelöst, dass der Konzern auf Europa beschränkt ist und in England zu teuer produziert. Ein Jahr später fiel der Koloss sogar fast um: Er stand am Rande der Pleite, und die niederländischen Vertreter im Aufsichtsrat blockierten den Verkauf der Aluminiumsparte.

Erst der vierte Vorstandschef in vier Jahren brachte die Wende: Philippe Varin baute Stellen ab, senkte die Kosten und hievte Corus 2004 erstmals in die schwarzen Zahlen. Er nutzte den Rückenwind einer ausgezeichneten Stahlkonjunktur und verzehnfachte in seiner Amtszeit den Aktienkurs des Unternehmens. Mit dem Verkauf der Aluminiumverarbeitung warf er Ballast ab, bevor er Corus im Frühjahr de facto zum Kauf anbot.

„Zweitgrößter europäischer Stahlhersteller mit guten Kundenverbindungen, Börsennotiz in London und Europas effizientestem Stahlwerk in Ijmuiden sucht ehrgeizigen Käufer mit kostengünstiger Produktionsbasis in Schwellenländern“ – so etwa lautete die Suchanzeige. Einige Interessenten wurden vorstellig: Der brasilianische Produzent Gerdau und die russischen Konzerne Evraz und Severstal waren darunter, heißt es in der Branche. Doch nun scheint Varin mit der indischen Tata Steel einen Partner gefunden zu haben.

Corus ist jetzt stark, doch die Verhandlungsposition beginnt sich schon wieder zu verschlechtern. Nach dem ansehnlichen Ergebnis von zehn Mrd. Pfund (15 Mrd. Euro) Umsatz und einer knappen halben Milliarde Pfund Reingewinn 2005 geht es im laufenden Jahr deutlich abwärts. In der ersten Jahreshälfte halbierte sich der Gewinn, und der Umsatz sank leicht. Eine Ursache dafür sind die steigenden Energiekosten der ohnehin teuren britischen Werke. Varin braucht jetzt den Erfolg – sonst fällt der Aktienkurs in sich zusammen.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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