Geplante Übernahme im Chemiesektor
US-Chemiekonzern Hexion bekommt bei Huntsman kalte Füße

Eine Milliarden schwere Übernahme wird offenbar scheitern. Der US-Chemieriese Hexion will wohl doch nicht mehr seinen Wettbewerber Huntsman kaufen - und versucht, alle Vereinbarungen rückgängig zu machen. Jetzt droht ein Rechtsstreit.

FRANKFURT. Vor zehn Tagen teilte die Europäische Kommission in Brüssel noch mit, dass man die geplante milliardenschwere Übernahme des US-Chemiekonzerns Huntsman durch den Wettbewerber Hexion länger unter die Lupe nehmen wolle. Die Frist wurde um zwei Wochen verlängert. Die üblichen Gründe lagen nahe: Kunden und Wettbewerber sollten mehr Zeit zur Kommentierung des Vorhabens erhalten. Doch das wahre Motiv scheint ein ganz anderes zu sein, denn das gesamte Vorhaben scheintzu scheitern. Die Private-Equity-Gesellschaft Apollo Management LP und der Chemiekonzern Hexion Specialty Chemicals Inc. versuchen, die im Jahr 2006 vereinbarte Übernahme von Huntsman gerichtlich wieder rückgängig zu machen. Eine entsprechende Klage wurde bei einem Gericht in Delaware eingereicht. Huntsman hat bereits angekündigt, dass man sich gegen den beabsichtigten Ausstieg von Hexion wehren wolle.

Im Juli 2006 hatte die zu Apollo gehörige Hexion zugesagt, Huntsman für 6,5 Mrd. US-Dollar und unter Übernahme von weiteren 4,1 Mrd. US-Dollar Schulden zu übernehmen. Hexion hatte damit die Übernahmeschlacht um Huntsman gegen den niederländischen Konkurrenten Basell für sich entschieden. Selbst ist Hexion 2005 aus dem Zusammenschluss von Borden Chemical, Resolution Performance Products und Resolution Specialty Materials entstanden. Dazu kam die in Iserlohn ansässige Firma Bakelite. Hexion ist in Columbus im US-Bundesstaat Ohio ansässig und hat im vergangenen Jahr 5,81 Mrd. Dollar umgesetzt. Mit der Übernahme von Huntsman wollte Hexion einer der weltgrößten Produzenten von Kunst- und Epoxidharzen sowie Klebstoffen werden.

Die Aktien von Huntsman rutschten nach Bekanntwerden eines möglichen Scheiterns der Übernahme im nachbörslichen Handel um 37 Prozent auf 13 Dollar ab. Das Übernahmegeschäft wurde bei Veröffentlichung mit 28 Dollar vereinbart.

Weil Huntsman in der Zwischenzeit - wie andere Chemieunternehmen - unter den stark gestiegenen Preisen für Rohstoffe leidet, die Nettoverschuldung gestiegen ist und die Gewinne niedriger ausgefallen sind, will Hexion sich nun zurückziehen - und zwar ohne eine vereinbarte Vertragsstrafe von 325 Mill. Dollar zu zahlen. Das Ebitda von Huntsman soll inzwischen 41 Prozent unter dem von Huntsman prognostizierten Wert liegen.

Die Kläger berufen sich auf den Finanzberater Duff & Phelps, der eine Insolvenz voraussagt. Das sehen die begleitenden Banken Credit Suisse und Deutsche Bank als Anlass, die Transaktion nicht mehr zu unterstützen. Zugleich lasse der angespannte Kreditmarkt eine alternative Finanzierung nicht zu, begründet Hexion seinen Rückzug.

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