Geplanter Börsengang
RWE erhebt Vorwürfe gegen RAG-Chef

Der Energiekonzern RWE hat nach "Spiegel"- Informationen RAG-Chef Werner Müller im Poker um den geplanten Börsengang Pflichtverletzungen vorgeworfen.

dpa-afx ESSEN. RAG-Großaktionär RWE werfe dem ehemaligen Bundeswirtschaftsminister vor, weit reichende Beschlüsse ohne die eigentlich notwendige Zustimmung des Aufsichtsrats gefasst zu haben, berichtete das Magazin, das sich auf ein vierseitiges Schreiben von RWE-Vorständen an RAG- Aufsichtsratschef Wulf Bernotat beruft. Müller soll die Einigung mit dem luxemburgischen Stahlkonzern Arcelor, den RAG-Anteil im Zuge der Börsenpläne zu einem symbolischen Preis von einem Euro abzugeben, mit Zugeständnissen erkauft haben. Ein RWE-Sprecher sagte am Samstag der dpa: "Wir haben in bestimmten Punkten Differenzen. Diese Punkte berühren Satzungsfragen im Aufsichtsrat der RAG."

"Der Sachverhalt stellt sich aus Sicht des RAG-Vorstands völlig anders dar", entgegnete eine RAG-Sprecherin in Essen. Eine geplante außerordentliche Aufsichtsratssitzung werde der Vorstand die Chance geben, den Sachverhalt aus seiner Sicht "erneut und sehr präzise" darzulegen. Ein Sprecher des Düsseldorfer Wirtschaftsministeriums sagte am Sonntag zu den Vorgängen: "Das sind unternehmensinterne Angelegenheiten, die innerhalb des Unternehmens geklärt werden müssen."

Zum Inhalt der von den beiden RWE-Vorstandsmitgliedern Jan Zilius und Berthold Bonekamp unterzeichneten Schreibens wollte der RWE- Sprecher aus Vertraulichkeitsgründen keine Stellung nehmen. Aus informierten Kreisen erfuhr die dpa, dass es um einen möglichen Verkauf des Gashändlers Saar Ferngas durch die RAG an Arcelor gehen soll.

Arcelor zählt ebenso wie RWE, Thyssen-Krupp und Eon zum Kreis der RAG-Aktionäre. Im März hatte sich auch Arcelor bereit erklärt, seinen RAG-Anteil zu einem symbolischen Preis von einem Euro abzugeben und damit eine Hürde für den geplanten Börsengang der RAG beiseite zu räumen.

Das Bundeskartellamt hatte zuvor eine zunächst geplante mehrheitliche Übernahme der mehrheitlich zum RAG-Konzern gehörenden Saar Ferngas durch RWE untersagt und dies mit einer Verstärkung der marktbeherrschenden Stellung von RWE beim Strom- und Erdgasabsatz begründet. Dagegen hat RWE jedoch Beschwerde beim Bundeskartellamt eingelegt, über die noch nicht endgültig entschieden wurde. Nach Presseberichten soll als Verkaufspreis für den Anteil von knapp 77 Prozent an Saar Ferngas eine Summe von rund 400 Mill. Euro vereinbart worden sein.

Nach Informationen des "Spiegel" sollen die Vorwürfe darauf abzielen, dass Müller ohne die eigentlich notwendige Zustimmung des Aufsichtsrats am 19. März eine notarielle Vereinbarung mit Arcelor geschlossen haben soll. Damit sei dem Stahlkonzern die Möglichkeit eingeräumt worden, nicht nur Saar Ferngas zu kaufen, sondern sich demnächst auch an der RAG-Kokerei zu beteiligen. Die eigentlich notwendige Zustimmung des Aufsichtsrats habe Müller jedoch nicht eingeholt. Die Aufseher seien nicht einmal ordnungsgemäß darüber informiert worden, so das Magazin.

Medienbericht nach denen RWE den RAG-Börsengang torpedieren wolle, um die Voraussetzungen für eine Übernahme der RAG-Stromtochter Steag zu schaffen, wurden von dem Essener Energiekonzern dementiert. "Wir begleiten den Börsengang konstruktiv und positiv, eine Zerschlagung der RAG steht für uns nicht auf der Tagesordnung", sagte ein RWE- Sprecher in Essen der dpa. Es gebe keinerlei Pläne, die Steag übernehmen zu wollen. Die "Süddeutsche Zeitung" (Samstag) hatte berichtet, RWE wolle eine Beteiligung von 25,1 Prozent an der Steag, deren Steinkohlekraftwerke einen Teil des Stroms für RWE liefern.

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