Geplatzte Fusion mit BAE Systems
Regierung listet 13 Fehler des EADS-Chefs auf

„Wesentliche Voraussetzungen für den Erfolg fehlten“: Die Megafusion zwischen EADS und BAE Systems ist aus Sicht der Bundesregierung an der falschen Strategie gescheitert. Die Politik weist damit jede Schuld von sich.
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BerlinDie Bundesregierung wehrt sich gegen den Vorwurf von EADS, die Megafusion mit BAE Systems sei am Widerstand Berlins gescheitert. In einem vertraulichen Papier des Bundeswirtschaftsministeriums kritisiert die Regierung detailliert in insgesamt 13 Punkten die Fusionsstrategie von EADS-Chef Tom Enders. „In der Gesamtschau bleibt festzuhalten, dass wesentliche Voraussetzungen für den Erfolg des Vorhabens nicht vorlagen“, heißt es in dem Bericht, der dem Handelsblatt vorliegt (Freitagausgabe).

„Keine der beteiligten Regierungen und keiner der Großaktionäre unterstützte den Zusammenschluss uneingeschränkt“, heißt es im Rückblick auf die gescheiterten Verhandlungen zwischen Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den Großaktionären Daimler und Lagardere.

Die von den Unternehmen angebotene „Goldene Aktie“ sei von Frankreich wie von Deutschland  als europarechtlich riskant eingestuft worden. Zudem sei es zweifelhaft, ob das zivile Flugzeuggeschäft der EADS-Tochter Airbus durch die Einbindung in den weltgrößten Rüstungskonzern eine positiven Impuls erhalten hätte. Verteidigungsminister Thomas de Maiziere habe darauf hingewiesen, dass die Zusammenballung von Marktmacht im Rüstungsbereich auch negative Konsequenzen für den Wettbewerb und die EU-Steuerzahler haben könne.

Die Bundesregierung zeigt sich davon überzeugt, dass auch ohne die Fusion ein fruchtbares Zusammenwirken der Unternehmen in Europa und auf den Weltmärkten möglich sei. Die deutschen Standorte der EADS könnten einen wesentlichen Beitrag für Innovation, Wertschöpfung und globalen Erfolg des Unternehmens leisten. Mit ihrer Entscheidung, Anteile von EADS von Daimler zu erwerben, habe die Bundesregierung ihr Vertrauen in die Zukunft der EADS zum Ausdruck gebracht, heißt es in dem Papier.

Der Autor ist Ressortleiter Wirtschaft und Politik.
Thomas Sigmund
Handelsblatt / Ressortleiter Politik und Leiter des Hauptstadtbüros

Kommentare zu " Geplatzte Fusion mit BAE Systems: Regierung listet 13 Fehler des EADS-Chefs auf"

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  • Vielleicht hat Enders es auch absichtlich versiebt und den Deutschen damit auf seine Kosten einen grossen Gefallen getan!

    Also hier schon mal, zwischen den vielen allwissenden Kritikern, meinen Besten Dank, Herr Enders :D

  • Man sollte eine Doppelspitze im Konzern einrichten, bestehend aus Tom Enders und Jason Statham. Da wird dann wenigstens sofort aufgeraeumt wenn mal was daneben geht. Im Ruestungsgeschaeft finde ich sowas unerlaesslich.

  • Wer wissen möchte welches Potenzial Daimler mit seinen Tochtergesellschaften (AEG,MTU,MBB,Dornier,FOKKER)hatte und wie es dann intern absichtlich heruntergewirtschaftet wurde(weiß das aus erster Hand mein früherer Chef war ein Direktor bei AEG), der sollte sich mal einen Tag Zeitnehmen und mal das Dornier-Museum in Friedrichshafen besuchen http://www.dorniermuseum.de/de/index.php. Es lohnt sich. Unvorstellbar wieviel deutsche Ingenieur- und Industriearbeit hier vernichtet wurde.

    Hier wurde der Versuch unternommen einen integrierten Mobilitätskonzern zu entwickeln, managementmäßig war das durchaus machbar, das beispiel Siemens bis vor einigen Jahren zeigte,das dies machbar war. General Electric aus Amerika mit Jack Welch(Neutronen Jack = Arbeitsplatzvernichter, aber diejenigen die übrig sind wurden erhalten!)zeigt das schon jahrzehntelang!

    Man kann in Deutschland nicht nur von Unfähigkeit sprechen, sondern von gezielter Sabotage.


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