Gerichte sind mit der Materie überfordert
Insolvenzverwalter wickeln oft nur ab

Bei Firmenpleiten könnten in Deutschland viel mehr Arbeitsplätze gerettet und Firmenwerte erhalten werden. Voraussetzung wäre aber eine bessere Führung der Pleiteunternehmen durch die gerichtlich bestellten Insolvenzverwalter, sagen Branchenexperten. Meist werde nur abgewickelt, um die Gläubiger zu befriedigen.

HB DÜSSELDORF/MÜNCHEN. Nach dem Zusammenbruch der Augsburger Walter Bau ist die Debatte um effizientes Insolvenzmanagement neu entflammt. Die unerwartet schnelle und in der Baubranche sehr umstrittene Festlegung des Walter-Verwalters Werner Schneider auf den österreichischen Investor Strabag löste Kritik aus. „Da hat sich der Insolvenzverwalter viel zu früh öffentlich festgelegt, statt erst einmal auf die Schnelle den Auftragsbestand zu sichern“, sagt etwa Hans Haarmeyer, ehemaligen Insolvenzrichter und heute Professor für Wirtschaftsrecht an der Fachhochschule Koblenz. Schneider sieht dagegen keine Alternative: „Bei einer Insolvenz am Bau ist es zwingend notwendig, so schnell wie möglich einen Käufer zu finden. Sonst bricht das Geschäft weg.“

Im Kern geht der Streit auch darum, ob das seit sechs Jahren geltende Insolvenzrecht richtig angewendet wird. Das Gesetz gibt der Erhaltung eines Unternehmens Vorrang vor einer Verwertung der Pleitefirmen zu Gunsten der Gläubiger. Doch die „unprofessionelle Insolvenzverwaltung vernichtet in großem Umfang Arbeitsplätze und Vermögenswerte“, sagt Haarmeyer.

In der Praxis würde die Chance zur Sanierung verschenkt. Dass weiterhin mehr zerschlagen statt saniert wird, erklärt sich Insolvenzverwalter Ottmar Herrmann so: „Einen Betrieb einfach zu schließen, hat natürlich seinen Vorteil. Der Verwalter geht keine neuen Risiken ein.“ Herrmanns bekanntester Fall ist der des Frankfurter Baukonzerns Philipp Holzmann, der vor fünf Jahren zusammenbrach.

Nicht jedes Unternehmen eigne sich aber für eine Fortführung, schränkt der Insolvenzexperte ein. Ohne Käufer habe auch ein Verwalter keine Chance. „Vor allem für kleine Unternehmen insbesondere in der Baubranche, besteht nur ein geringes Interesse am Markt.“ Laut Herrmann kommen für Planverfahren ohnehin nur 20 oder 30 Prozent der Fälle in Frage. Die meisten Insolvenzen beträfen Ein-Mann-Firmen oder Unternehmen, die wirtschaftlich schon gar nicht mehr aktiv sind.

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