Gerichtsentscheid
Brasilien feuert Ölbohrkonzern Transocean

Der Mitbetreiber der Unglücksplattform „Deepwater Horizon“ muss seine Ölbohrungen in Brasilien einstellen. Ein Gericht setzte den Schweizern eine Frist von 30 Tagen, um das Geschäft einzustellen. Der Aktienkurs fällt.
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Rio de JaneiroDem Schweizer Tiefbohrkonzern Transocean droht das Aus in Brasilien. Ein Gericht in Rio de Janeiro teilte der Firma per Einstweiliger Verfügung mit, dass sie ihre Operationen innerhalb von 30 Tagen einzustellen haben. Die Entscheidung steht im Zusammenhang mit einem Prozess wegen eines Öl-Unfalls im Jahr 2011 rund 130 Kilometer vor der Küste Rios in einem von US-Ölkonzern Chevron betriebenen Ölfeld.

Transocean selbst informierte über die Gerichtsentscheidung in einer Mitteilung. Man werde energisch bei der nächsten Gerichtsinstanz gegen die Verfügung vorgehen, hieß in einer Erklärung. Sollte das aber keinen Erfolg habe, werde das Unternehmen verpflichtet sein, der Anordnung nachzukommen. Brasilien ist für den Schweizer Konzern ein wichtiger Markt. Im ersten Halbjahr entfielen auf das südamerikanische Land rund elf Prozent des gesamten Umsatzes. In Zürich gab die Aktie um rund zwei Prozent nach.

Transocean betrieb zusammen mit dem Ölkonzern BP die Unglücksplattform „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko. Im April 2010 waren nach der Explosion der Ölplattform elf Menschen ums Leben gekommen. Zwischen vier und fünf Millionen Barrel (je 159 Liter) Öl waren ins Meer gelaufen und hatten Teile der Küsten in fünf US-Bundesstaaten verschmutzt.

Hintergrund der Verfügung in Brasilien sind zwei Vorfälle Ende vergangenen Jahres und im März. Transocean und Chevron war es dabei lange nicht gelungen, ein Leck bei einer Ölbohrplattform vor Brasiliens Südostküste wieder abzudichten. Nach Angaben der Ölbehörde liefen 3000 Barrel Öl ins Meer. Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich im Frühjahr. Dieser hatte aber geringere Auswirkungen. Chevron hatte nach dem Vorfall im März von sich aus beschlossen, die Förderaktivitäten einzustellen. Anfang August verbot Brasilien dem Unternehmen die Wiederaufnahme der Ölförderung in dem Land.

Eine Strafe in Höhe von umgerechnet 13,4 Millionen Euro hat der US-Ölkonzern nun gezahlt. Die brasilianische Ölbehörde teilte am mit, die Zahlung sei vor einer Woche eingegangen. Vor zehn Tagen hatte die Behörde das Strafgeld wegen insgesamt 24 Rechtsverstößen verhängt. Doch Chevron drohen noch weitere Bußgelder. Ende 2011 hatte bereits die brasilianische Umweltbehörde dem Konzern eine Millionenstrafe auferlegt.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Sebastian Ertinger ist stellvertretender Redaktionsleiter der Handelsblatt Live App.
Sebastian Ertinger
Handelsblatt Live / Stellvertretender Redaktionsleiter

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