Gerichtsurteil
Hohe Millionenstrafe für Berlusconis Holding

Die Holding der Familie Berlusconi Fininvest muss dem Konkurrenten Cir der Familie De Benedetti 750 Mio. Euro Schadensersatz zahlen. Für Berlusconis Konzern wäre das eine gewaltige Summe und auch die Familie des italienischen Premierministers wird die Folgen des Gerichtsurteils schmerzlich zu spüren bekommen.

MAILAND. Das Urteil in erster Instanz mit der Rekordsumme hat das zuständige Gericht in Mailand am Wochenende bekannt gegeben. Dabei geht es um die umstrittene Übernahme des großen italienischen Verlags Mondadori Anfang der 90er Jahre. Der damals noch von Silvio Berlusconi geleitete Fininvest-Konzern hatte 1991 einen Richter korrumpiert, damit dieser in einem Schiedsspruch Mondadori Finnvest und nicht Cir zukommen ließ. Berlusconis Familie hatte mit dem Geschäft ihren Einfluss im Printmedien- und Verlagsbereich ausgebaut

Für Berlusconis Familienholding wäre das Urteil ein schwerer Schlag: Die Summe entspricht sechsmal dem Nettogewinn des vergangenen Jahres von 131 Mio. Euro oder auch den Dividenden, die in den vergangenen dreieinhalb Jahren an die Familie Berlusconi geflossen sind. Für die Industrie-Gruppe Cir entspricht die Summe zwei Drittel ihres Börsenwerts von 1,1 Mrd. Euro.

Carlo De Benedetti, Hauptaktionär und heute Ehrenpräsident von Cir zeigte sich zufrieden mit dem Richterspruch. „Fast zwanzig Jahre nach der betrügerischen Aktion, die dazu geführt hat, dass unsere Gruppe das Eigentum von Mondadori verloren hat … haben wir endlich auch beim Zivilgericht Recht bekommen.“

In einem Strafprozess hat das zuständige Gericht 2007 bereits den Anwalt Cesare Previti und weitere Fininvest-Helfer als schuldig verurteilt. Berlusconi wurde wegen Verjährung in der Sache nicht belangt. Der Zivilprozess musste nun den entstandenen Schaden für das Unternehmen des Konkurrenten festlegen.

Marina Berlusconi, Tochter des Regierungschefs Silvio Berlusconi und Fininvest-Präsidentin nannte das Urteil „zutiefst ungerecht“. Sie werde „sofort in Berufung gehen“, um zu versuchen die Zahlung der 750 Millionen Euro Entschädigung zu verhindern. Das Urteil falle in eine Zeit, in der ihr Vater von genau der Verlagsgruppe „aufs härteste angegriffen werde“, die nun das Geld erhalte. Die Cir-Gruppe kontrolliert unter anderem direkt die Verlagsgruppe Espresso, zu der auch die Tageszeitung „La Repubblica“ gehört. Theoretisch muss das Urteil sofort umgesetzt werden. Doch ein Berufungsgericht könnte die Zahlung vorübergehend aussetzen.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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