Gerichtsurteil: MAN gewinnt Plagiatstreit in China

Gerichtsurteil
MAN gewinnt Plagiatstreit in China

Es ist ein Urteil mit Signalwirkung: Der deutsche Busbauer MAN hat einen chinesischen Produktpiraten in China verklagt - und hat Recht bekommen. Auch andere Konzerne gehen inzwischen wirkungsvoll gegen den dreisten Diebstahl ihrer Ideen und Designs vor.

PEKING/MÜNCHEN. Der Nutzfahrzeugbauer MAN hat in China einen beachtlichen Erfolg im Kampf gegen Produktpiraten erzielt. Ein Gericht in Peking verurteilte den chinesischen Hersteller Zhongwei Passenger Bus zu einer Schadenersatzzahlung von 20 Mio. Yuan (umgerechnet rund 2,3 Mio. Euro). "Wir freuen uns über das Urteil", sagte ein Sprecher der MAN Nutzfahrzeugsparte in München. "Wir hatten stets Vertrauen in die Verlässlichkeit des chinesischen Rechtssystems."

MAN hatte den Rechtsstreit 2005 begonnen, nachdem Zhongwei einen Bus der Konzerntochter Neoplan "absolut augenfällig" kopierte, wie MAN betont. Die Deutschen reagierten besonders allergisch auf das Plagiat, weil es sich bei ihrem "Starliner" um das Flaggschiff ihrer Bustochter handelte. Außer dem Design hatte die chinesische Kopie nicht viel mit dem Original gemein: Motor, Fahrgestell und Inneneinrichtung waren von deutlich minderer Qualität. 350 000 Euro kostete der Bus in Deutschland, die Chinesen verlangten für die Kopie nicht einmal ein Drittel.

Dennoch brauchten die Deutschen viel Geduld. Im Sommer 2006 schien bereits der Erfolg zum Greifen nahe. Das zuständige Gericht in Peking kündigte eine schnelle Entscheidung an. Doch wieder vergingen fast zwei Jahre bis zum jetzigen Urteil, das auch noch nicht das letzte Wort sein dürfte. Zhongwei kündigte umgehend an, Rechtsmittel einlegen zu wollen. Derweil haben die Chinesen das Design ihres Busses geändert; gegen das neue Modell geht MAN nicht mehr vor.

Dennoch hat der vorläufige Sieg von MAN Signalwirkung, auch wegen der Höhe der Geldstrafe. Bislang hatten Chinas Gerichte meist nur eine sehr geringe Höhe an Schadenersatz angeordnet. So konnten 2006 die Luxusgüterhersteller Prada, Chanel, Louis Vuitton, Gucci und Burberry einen international viel beachteten Coup landen, als sie vor Gericht gegen Händler gewannen, die gefälschte Produkte ihrer Edelmarken im großen Stil anboten. Doch als Entschädigung erhielten die fünf Firmen jeweils nur 2 000 Euro zugesprochen.

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