Geringe Zulassungszahlen
Motorradbranche will Abwärtstrend stoppen

Mit vielen neuen Produkten will die arg gebeutelte Motorradbranche im kommenden Jahr verstärkt die Jugend ansprechen, schließlich sind die Verkaufszahlen seit einem halben Jahrzehnt rückläufig.

HB MÜNCHEN. „Wir gehen davon aus, das wir eine schwarze Null schaffen“, sagte Reiner Brendicke, Hauptgeschäftsführer des Industrie-Verbands Motorrad Deutschland (IVM), am Montag in München. „Wir hoffen aber auch noch auf ein Plus.“ In der bayerischen Landeshauptstadt findet von Mittwoch bis Sonntag die Intermot, die größte Motorradmesse der Welt, mit 1114 (2002: 1044) Ausstellern aus 42 Ländern statt. Insgesamt beteiligen sich 824 Firmen an dem alle zwei Jahre stattfindenden Branchentreffen.

Die Motorradindustrie will dabei den Abwärtstrend bei den Zulassungszahlen stoppen und auch wieder jüngere Kundschaft begeistern. Denn der deutsche Motorradfahrer ist nach IVM-Angaben im Schnitt 40 Jahre alt - Tendenz steigend. Von Januar bis Juli des laufenden Jahres wurden nach Brendickes Worten 138 659 Motorräder neu zugelassen. Zum Vorjahr ist dies ein Rückgang um 8,4 %, der nach Angaben des Verbandes wohl bis Jahresende bestehen bleibt. Auch das Segment unter 50 Kubikzentimeter - also Mofas, Roller und Mopeds - entwickelt sich rückläufig.

„Das ist ein deutsches Phänomen“, sagte Brendicke. Märkte wie Italien oder Frankreich verzeichneten Zuwächse. In Deutschland stellten die Konsumenten hingegen angesichts von Zukunftsängsten und Unsicherheit über mögliche finanzielle Mehrbelastungen größere Investitionen hinten an. Hier sei die Politik gefordert, wieder für mehr Vertrauen zu sorgen. Hinzu komme, dass Jugendliche Motorradfahren häufig als unattraktiv und nicht „in“ empfänden.

Brendicke kündigte an, verstärkt auf Heranwachsende zu setzen. „Wir reden nicht nur darüber, dass die Jugend wieder zum Motorrad kommt, wir tun auch was dafür“, sagte er. Der Verband besuche gezielt Musikfestivals und versuche so, Nachwuchs für das Zweirad zu begeistern. Im Herbst werde die Aktion auf 40 Musikclubs ausgeweitet. Der Verbandschef warnte trotz erster Erfolge aber vor übertriebener Hoffnung: „Wir brauchen Zeit, um die Einstellungen der Jugendlichen zu ändern.“

Brendicke plädierte erneut an die Bundesländer, die aktuell bei jugendlichen Führerscheinneulingen vorgeschriebene Drosselung kleinerer Motorräder mit 125 Kubikzentimeter Hubraum auf 80 Kilometer pro Stunde aufzuheben. „Eine Situation, mit der wir, die Industrie, schon seit langem unzufrieden sind“, sagte er. Während der Bund die Abschaffung der Regelung unterstützt habe, hätten die Länder sie gekippt. Der IVM werde hier aber weiter Lobbyarbeit leisten. Während die Neuzulassungszahlen stetig sinken, hat der Motorradbestand in Deutschland zu Jahresbeginn mit gut 5,3 Mill. Fahrzeugen einen Rekordwert erreicht. Knapp zwei Fünftel hiervon sind dem IVM zufolge Maschinen mit mehr als 750 Kubikzentimeter Hubraum. Aktuell wächst hingegen nach Angaben des IVM eher das mittelstarke Segment der 600er.

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