Gerinnungshemmer Xarelto Bayer will Rechtsmittel gegen Millionenstrafe einlegen

Ein US-Gericht hat Bayer zur Zahlung von 28 Millionen Dollar verurteilt. Der Konzern will sich dagegen aber weiter juristisch wehren. Es geht um das wichtigste Pharmaprodukt des Konzerns –und mögliche Gesundheitsrisiken.
Update: 06.12.2017 - 09:54 Uhr Kommentieren
Nie zuvor war der Pharma-Riese in einem Gerichtsverfahren seinem Gegner unterlegen. Quelle: Reuters
Erste gerichtliche Niederlage

Nie zuvor war der Pharma-Riese in einem Gerichtsverfahren seinem Gegner unterlegen.

(Foto: Reuters)

Leverkusen Der Pharmakonzern Bayer ist trotz einer Niederlage vor einer US-Jury vom positiven Nutzen-Risikoprofil seines Gerinnungshemmers Xarelto überzeugt. Man werde gegen das Urteil Rechtsmittel einlegen, sagte ein Sprecher am Dienstagabend auf Anfrage. Eine Jury in Philadelphia hatte zuvor einem Paar aus dem US-Bundesstaat Indiana insgesamt fast 28 Millionen US-Dollar zugesprochen. Es sei nicht ausreichend auf Risiken von inneren Blutungen bei der Einnahme von Xarelto hingewiesen worden.

Es war die erste Niederlage von Bayer und Johnson & Johnson, die das Mittel gemeinsam entwickelt haben. Xarelto ist für Bayer das wichtigste Pharmaprodukt mit einem Spitzenumsatzpotenzial von mehr als fünf Milliarden Euro. 2016 setzte Bayer mit der Arznei gut 2,9 Milliarden Euro um, J&J kam auf Erlöse von 2,2 Milliarden Dollar. Das Mittel ist nicht unumstritten: Xarelto wird für Blutungen bis hin zu Todesfällen verantwortlich gemacht. Gegen Bayer sind deshalb zahlreiche Klagen in den USA anhängig.

Das sind die größten Pharmakonzerne der Welt
Platz 10: Gilead Sciences
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Der US-Biotechkonzern beschäftigt etwa 8.000 Mitarbeiter und hat seinen Sitz in Kalifornien. Bekannt wurde es vor allem durch seine „1000-Dollar-Pille“ Sovaldi, ein wirksames, aber sehr teures Mittel gegen Hepatitis C. Umsatz 2017: 28,5 Milliarden Dollar.

(Quelle: Unternehmensangaben; Financial Times; Thomson Reuters)

Platz 8: Glaxo-Smithkline
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Die Briten sind stark im Impfgeschäft und haben Mittel gegen Depressionen und Atemwegserkrankungen im Portfolio. Der Konzern – dessen Sitz in London ist – kam 2017 auf einen Umsatz von etwa 40 Milliarden Dollar.

Platz 8: Merck & Co.
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Ebenfalls auf dem achten Platz finden sich die Amerikaner ein, die stark im Impfgeschäft und in der Frauengesundheit sind. Zusätzlich vermarkten sie auch Medikamente für Tiere. Pharmaumsatz 2017: 40 Milliarden Dollar.

Platz 7: Sinopharm
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Auch das chinesische Unternehmen Sinopharm (Beispielbild) hat es in die Top10 geschafft. Im Jahr 2017 konnte es insgesamt etwa 41,3 Milliarden Dollar umsetzen.

Platz 6: Bayer
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Der größte deutsche Pharmakonzern hat sich im Gegensatz zu dem Jahr 2015 um ganze zehn Platze verbessern können. Der Umsatz 2017: 43,1 Milliarden Dollar. Top-Produkte sind beispielsweise der Gerinnungshemmer Xarelto und das Augenmedikament Eylea.

Platz 5: Sanofi
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Die Franzosen haben eine starke Basis in Deutschland und kommen auf einen Pharmaumsatz von 43,3 Milliarden Dollar. Die wichtigsten Medikamente sind das Diabetesmittel Lantus und das Herz-Kreislaufmittel Plavix. Bekannter dürfte das Schlafmittel Stilnox sein.

Platz 4: Novartis
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Die Schweizer sind seit dem Jahr 2014 von dem ersten Platz auf den vierten Platz abgerutscht. Rund 49,2 Milliarden Dollar konnten sie im Jahr 2017 umsetzen. Novartis ist stark bei Krebsmitteln. Bekannte Marken sind das Schmerzmittel Voltaren und das Leukämiemittel Glivec.

Das Paar aus Indiana hatte 2015 gegen die beiden Pharmakonzerne geklagt. Der Ehefrau war Xarelto zur Vorbeugung von Schlaganfällen als Folge von Vorhofflimmern verschrieben worden. Sie nahm das Mittel für ungefähr ein Jahr und kam im Juni 2014 mit schweren gastrointestinalen Blutungen, für die sie Xarelto verantwortlich machte, ins Krankenhaus. Seitdem hat sie sich wieder erholt. Der Prozess war der erste von rund 1400 bei dem Gericht in Philadelphia anhängigen Xarelto-Klagen. Mehr als 18.500 Fälle sind vor Bundesgerichten anhängig.

Aus Sicht von Bayer wurde die Sicherheit und Wirksamkeit des Kassenschlagers im Praxisalltag mit weltweit etwa 31 Millionen behandelten Patienten in über 130 Ländern bestätigt. Darüber hinaus wiesen die von den zuständigen Regulierungsbehörden freigegebenen Produktinformationen ausführlich und angemessen auf mögliche Risiken hin, erklärte der Konzern. Drei vorherige Fälle waren zugunsten von Bayer und Johnson & Johnson entschieden worden.

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