Gesättigter Markt
US-Chemie fordert neue Strategien

Der große, aber weitgehend gesättigte US-Markt stellt die Produzenten vor immer neue Schwierigkeiten. Das reguläre Marktwachstum erscheint trotz starker US-Konjunktur vergleichsweise mager. Die Suche nach neuem Wachstum zwingt die Unternehmen zu Übernahmen und intensiverer Produkt-Entwicklung.

FRANKFURT. Wer ein Bild von Chancen und Herausforderungen im US-Chemiegeschäft gewinnen will, sollte sich vielleicht einmal in einem kleinen Einfamilienhaus am Stadtrand von Paterson/New Jersey umsehen. Äußerlich fällt es allenfalls durch eine hellbraune Bruchstein-Fassade auf. Das Besondere verbirgt sich im Innenleben: Dank spezieller Konstruktion, Dämm- und Heiztechnik verbraucht das Haus in Paterson nur ein Fünftel der Energie eines amerikanischen Durchschnittsheims. Und Bauherr ist nicht etwa einer der vielen Angestellten, die von hier aus alltäglich nach Manhattan pendeln, sondern der Chemieriese BASF.

Mehr als vier Dutzend Partner aus dem Baugewerbe hat der Konzern an dem Projekt beteiligt, um auf diese Weise neue Einsatzgebiete für seine Dämmstoffe und Bauchemie zu erschließen. Das Potenzial ist nicht nur mit Blick auf die Energierechnung der Amerikaner beachtlich: Würde sich die US-Bauwirtschaft das Vorzeigeprojekt in Paterson zu eigen machen, könnte das den Chemieverbrauch im Wohnungsbau um etwa 10 000 Dollar pro Neubau oder insgesamt etwa 20 Mrd. Dollar pro Jahr nach oben treiben. Für den rund 330 Mrd. Dollar großen Chemiemarkt in der Nafta-Region wäre das ein Plus von mehr als sechs Prozent.

Doch von einer schnellen Umstellung kann keine Rede sein, wie BASF-Manager Tilo Horstmann einräumt, der für die Geschäftsentwicklung im Bereich Bauchemie zuständig ist. Um die energiesparende (und chemiefreundliche) Bauweise voranzubringen, würden wohl noch Jahre an Überzeugungsarbeit nötig sein.

Anders als etwa in China, wo eine boomende Fertigungsindustrie den wachsenden Chemie-Output geradezu aufsaugt, stellt der große, aber weitgehend gesättigte US-Markt völlig andere Anforderungen an die Produzenten. Das reguläre Marktwachstum erscheint trotz starker US-Konjunktur vergleichsweise mager. Kevin Swift, Chef-Ökonom des Branchenverbandes American Chemistry Council, kalkuliert für die kommenden zehn Jahre mit Wachstumsraten von durchschnittlich etwa 1,7 Prozent für die US-Chemiebranche (ohne Pharma), gegenüber rund fünf Prozent in Asien. BASF ist mit 1,4 Prozent sogar noch etwas vorsichtiger.

Um neue Märkte zu erschließen, müssen die Chemiehersteller daher stark in neue Produkte investieren und ihre Abnehmer immer intensiver in der Anwendungstechnik unterstützen. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, Marktanteile zuzukaufen.

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