Geschäft mit Enzymen
„Der Bioethanol-Markt läuft garantiert“

Steen Riisgaard, Präsident und CEO der dänischen Firma Novozymes, stellt Enzyme für die industrielle Produktion von Waschmitteln, Lebensmitteln und Tiernahrung her. Im Handelsblatt-Interview spricht der Enzymspezialist über den Wachstumsmarkt Bioethanol.

Handelsblatt: Herr Riisgaard, Ihre Firma Novozymes stellt Enzyme für die Produktion des Treibstoffs Bioethanol her. Anfang Februar haben Sie ein Joint Venture in China abgeschlossen. Fahren die Chinesen bald nur noch mit Biotreibstoff?

Steen Riisgaard: Nein, aber im Jahr 2020 will China 20 bis 25 Prozent seines Treibstoffbedarfs durch Bioethanol abdecken. Wir werden im nächsten Jahr soweit sein, die zweite Generation Bioethanol herzustellen. Anstatt Maiskolben nutzen wir dabei landwirtschaftliche Abfälle. An den Enzymen hierfür arbeiten wir seit 2001.

Hilft Ihnen der China-Deal, dieses Ziel zu erreichen?

Teilweise. China ist zwar ein wachsender Markt. Aber wir sind nur so schnell, weil die USA jede Gallone Bioethanol mit 101 US Cent subventioniert. In China gibt es keine Subventionen, dafür sind die Produktions- und Investitionskosten sehr viel niedriger. Deshalb können 2011 die ersten Fabriken stehen, die dann mit unseren Enzymen Bioethanol der zweiten Generation produzieren.

Kommt Ihnen die Wirtschaftskrise da nicht in die Quere?

Nein, denn China ist zwar eine sehr wichtige Nebenbühne, die große Show aber spielt sich in den USA ab. Denn die sind mit etwa 330 Mio. Tonnen jährlich die größten Maisproduzenten der Welt. Außerdem haben sie den "renewable fuel standard", der gesetzlich festlegt, wie hoch der Anteil von Bioethanol am Gesamtkonsum sein muss und wie viel davon auf Mais basieren muss.

Der Markt ist also garantiert?

Absolut. Im Jahr 2022 werden die USA 31 Mrd. Gallonen Bioethanol produzieren. Die Demokraten wollen 2030 sogar 60 Mrd. Gallonen produziert und konsumiert wissen. Das entspräche dann etwa 25 Prozent des Bedarfs.

Aber Nahrung ist doch wichtiger als Treibstoff. Wie die "food versus fuel"-Debatte zeigt, wollen die Menschen den Mais offenbar lieber essen als tanken.

Das ist in der Tat eine Diskussion, die uns damals völlig unvorbereitet traf. Aber unserer Meinung nach stehen die Lebensmittelpreise nicht in direkter Abhängigkeit zur Bioethanol-Produktion. Momentan bewegen sie sich auf dem Preisniveau von 2006, obwohl der Bedarf an Mais zur Herstellung von Bioethanol in der gleichen Zeit um 40 Prozent gestiegen ist. Und mit der zweiten Generation Bioethanol erübrigt sich die Frage in Zukunft zum Glück.

Wie viel Kohlendioxid reduzieren Sie eigentlich?

Die erste Generation Bioethanol bringt etwa 48 bis 59 Prozent Einsparung, die zweite Generation ist nahezu CO2 neutral. Wir haben letztes Jahr an der Seite unserer Kunden die globale CO2-Emission um 28 Mio. Tonnen netto reduziert. Zum Vergleich, Dänemarks gesamte Emission betrug 56 Tonnen.

Bei den Aussichten ist doch die Konkurrenz nicht weit. Wie erwehren Sie sich Ihrer Mitspieler?

Wir dominieren den Markt in unserem Bereich. Wir haben vor 15 Jahren reagiert, als alle die industrielle Biotechnologie entdeckten, indem wir den Markt in kleine Fragmente geteilt haben. Die waren dann uninteressant für die großen Firmen.

Was gehört noch zu Ihrem Geschäft?

Bioethanol hat nur einen Anteil von 16 Prozent. Das größte Geschäft machen wir mit Waschmittel-Ezymen und anderen technischen Enzymen. Das macht 30 Prozent aus.

Das klingt nach einem großen Forschungsetat. Wie viel Geld stecken Sie in die Entwicklung?

13,4 Prozent des Umsatzes. Das entspricht etwa 175 bis 200 Mio. Euro.

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