Geschäft weiter unter Druck
Siemens stellt Weichen für Zukunft

Kommende Woche soll der Siemens-Aufsichtsrat über die Nachfolge von Personalvorstand Peter Pribilla und von Volker Jung entscheiden, der im Zentral-Vorstand für das Arbeitsgebiet Information und Kommunikation verantwortlich ist.

HB/dpa MÜNCHEN. Beide sind seit mehr als 35 Jahren bei Deutschlands größtem Elektrokonzern. Damit müssen zwei Schlüsselressorts neu besetzt werden. Am Donnerstag (24. Juli) wird Siemens zudem die Geschäftszahlen für das abgelaufene Quartal bekannt geben. Spürbarer Rückenwind von der Konjunktur ist ausgeblieben. Beobachter rechnen damit, dass der Umsatz weiter unter Druck steht, das Ergebnis aber halbwegs stabil geblieben ist.

Offiziell hält sich der Konzern in Sachen Personalentscheidungen noch bedeckt. „Es ist bekannt, dass Veränderungen im Vorstand anstehen“, sagte ein Siemens-Sprecher. Weitere Details würden in der kommenden Woche bekannt gegeben. Spekulationen rund um die wichtigen Posten gibt es aber bereits. Für die Nachfolge Jungs sind vor allem Rudi Lamprecht und Thomas Ganswindt im Gespräch. Lamprecht verantwortet die Mobilfunk-Sparte ICM, Ganswindt saniert derzeit den defizitären Netzwerk-Bereich ICN.

Der Nachfolger Jungs muss wichtige strategische Entscheidungen treffen. So wird immer wieder über die Zukunft der Handy-Sparte spekuliert, die mit einem Marktanteil von unter zehn Prozent deutlich kleiner ist als der dominierende Marktführer Nokia. Als Favorit für die Jung-Nachfolge gilt Lamprecht, der nicht unumstritten ist. „Ich halte ihn nicht für geeignet, er hat sich in seinem Bereich nicht gerade mit Ruhm bekleckert“, sagt ein Unternehmenskenner. ICM habe zuletzt kein Geld verdient und Lamprecht lasse offen, wie sich das ändern soll.

Die Personalverantwortung soll laut Informationen aus Branchenkreisen Jürgen Radomski mit übernehmen, derzeit im Zentralvorstand unter anderem für die Medizintechnik und die Licht- Tochter Osram zuständig. Er muss in seiner neuen Rolle die Zahl der zu streichenden Stellen weiter erhöhen. Falls die Konjunktur nicht anspringe, müsse später möglicherweise noch einmal nachgelegt werden, hieß es. Siemens hatte in den vergangenen Jahren den Abbau von mehr als 35 000 Arbeitsplätzen angekündigt. Trotz der großen Zahl ist es Pribilla gelungen, dies vergleichsweise friedlich über die Bühne zu bringen.

Von der Konjunktur bekommt Siemens derzeit kaum Unterstützung. Wegen der schlechten Wirtschaftslage, des weiter abflauenden Kraftwerk-Booms in den USA und des starken Euro sei der Umsatz im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2002/03 (30. September) von 20,5 auf 18,5 Milliarden Euro gesunken, schätzt Theo Kitz, Analyst bei Merck Finck. In dem schwierigen Umfeld halte sich Siemens aber weiterhin wacker. Die meisten Geschäftsbereiche würden die Margenziele zumindest annähernd erreichen, die ihnen Konzern-Chef Heinrich von Pierer in der „Operation 2003“ gesetzt hat.

Verfehlen werden ihre Ziele nach Einschätzung von Kitz der Bereich Gebäude-Technik und die Antriebs-Sparte A&D. Zumindest bei der Gebäudetechnik wird dies laut Branchenkreisen unmittelbare Konsequenzen haben. Bereichsleiter Oskar Ronner müsse seinen Stuhl räumen, heißt es.

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