Geschäfte laufen glänzend
BP kämpft in den USA mit einer Pannenserie

Eine Serie von Pannen hat den Ruf des britischen Ölkonzerns BP in den USA angekratzt. Nach einem folgenschweren Raffinerie-Unfall in Texas und massiver Umweltverschmutzung durch eine geborstene Pipeline in Alaska werfen US-Behörden BP nun vor, die Preise für Propangas manipuliert zu haben.

LONDON. Auf die Geschäfte hat all das noch keinen Einfluss: In einer ersten Information über den Verlauf des zweiten Quartals offenbarte BP zwar gestern Probleme mit den Produktionszielen, doch Ölpreise und Raffineriemargen liegen hoch.

BP hat aber einen Ruf als gut geführter Konzern zu verlieren: In Ranglisten sozial verantwortlicher Unternehmen belegt der Konzern regelmäßig Spitzenplätze. Doch in den USA steht er nach der Pannenserie in der Kritik von Aufsichtsbehörden und Politikern.

Im März 2005 begannen die Probleme mit einer Explosion in der Raffinerie Texas City. Sie tötete 15 und verletzte 500 Menschen. Eine Untersuchung des Arbeitsministeriums förderte hunderte von Verstößen gegen Sicherheitsbestimmungen zu Tage. Neben einer Strafe von 21 Mill. Dollar drohen BP noch strafrechtliche Konsequenzen. Außerdem kostete die Reparatur rund eine Milliarde Dollar und die monatelange Schließung minderte die Einnahmen des Konzerns in einer Phase, in der die US-Raffinerien Rekordgewinne einfuhren.

Ein Jahr später brach in BPs Prudhoe-Bay-Feld in Alaska eine Pipeline und mehr als eine Million Liter Öl liefen aus. Umweltbehörden werfen BP mangelhafte Wartung vor. Auch hier laufen strafrechtliche Ermittlungen, die zu Haftstrafen und hohen Geldstrafen führen können.

Vor diesem Hintergrund kommt dem Vorwurf von Preismanipulationen auf dem vergleichsweise unbedeutenden Propangasmarkt eine hohe Bedeutung zu. BP hat drei Händler beurlaubt; ein weiterer hat sich schuldig bekannt und arbeitet mit den Behörden zusammen. BP bestreitet alle Verfehlungen und will diese Position auch vor Gericht durchhalten. Kongressabgeordnete forderten bereits schärfere Kontrollen im Energiehandel.

BP bestreitet zwar, dass die Vorfälle insgesamt auf Mängel im Management hinweisen, hat aber mit Robert Malone gerade einen neuen US-Chef installiert. Seine erste Amtshandlung war es, einen Sicherheits- und Umweltbeauftragten zu benennen, der direkt an ihn berichtet. Außerdem kündigte er an, enger mit den Pressesprechern und Ethik-Beauftragten zu kooperieren.

Analysten glauben, dass die US-Probleme den Kurs der BP-Aktie belasten. Doch dank hoher Ölpreise und Raffineriemargen dürfte BP ihre Erwartungen für das zweite Quartal übertreffen. Erste Brokerhäuser kündigten schon an, ihre Gewinnziele zu erhöhen. Allerdings verfehlte die Produktion die Prognosen. Während sie im russischen Joint-Venture TNK-BP um zwölf Prozent stieg, sank sie im restlichen Portfolio um vier Prozent.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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