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23.01.2007 
Areva will Repower

Geschäfte mit dem Wind

Der französische Staatskonzern Areva will den Hamburger Windanlagen-Bauer Repower vollständig übernehmen. Für den Zukauf ist der weltgrößte Hersteller von Kernkraftwerken bereit, tief in die Tasche zu greifen. Denn inzwischen haben auch die etablierten Energiekonzerne erkannt, welche Chancen in den erneuerbaren Energien stecken – nicht nur ökologisch.

Repower hat sich mit gigantischen Windanlagen einen Namen gemacht. Hier der Typ 5M, auf dessen Plattform sogar ein Hubschrauber Platz finden würde. Foto: apLupe

Repower hat sich mit gigantischen Windanlagen einen Namen gemacht. Hier der Typ 5M, auf dessen Plattform sogar ein Hubschrauber Platz finden würde. Foto: ap

mjh/ali DÜSSELDORF/PARIS. Areva bietet für jede Repower-Aktie 105 Euro in bar, teilten beide Unternehmen am Montag mit. Insgesamt bewertet die französische Offerte Repower mit 840 Mill. Euro. Areva ist seit dem Jahr 2005 an Repower beteiligt und hält inzwischen fast 30 Prozent. Der Repower-Vorstand unter Leitung des früheren Hamburger Wirtschaftssenators Fritz Vahrenholt (SPD) hat sich bereits für die Annahme des Angebots ausgesprochen.

Die Repower-Aktie reagierte mit einem Kurssprung. Zeitweise legte sie um knapp 27 Prozent zu. Auch die Notierungen anderer Windkraftunternehmen zogen deutlich an. Die Anteilsscheine des dänischen Weltmarktführer Vestas verteuerten sich um 4 Prozent, der Kurs des im TechDax notierten Rostocker Windturbinenbauers Nordex stieg um 6 Prozent.

„Die Wahrscheinlichkeit, dass das Konsolidierungstempo in der Branche steigt, ist hoch“, sagte Arndt Krakau, Windenergieexperte der HSH Nordbank. Viele Windkraftunternehmen seien zu klein, um im Alleingang die Risiken der anstehenden Großinvestitionen schultern zu können. Nordex könnte nun ebenso ins Visier eines Angreifers geraten wie der größte deutsche Anbieter Enercon, der sich in Familienbesitz befindet.

Excellente Perspektiven

Da Öl und Gas knapp und teuer sind, wächst weltweit das Interesse an erneuerbaren Energien. Viele Staaten stocken ihre Förderprogramme auf. 2006 betrug das Volumen des Weltmarktes für Windenergieanlagen 15 Mrd. Euro. Weltweit waren Windräder mit einer Gesamtleistung von 15 000 Megawatt installiert. Dies entspricht der Kapazität von etwa 15 konventionellen Großkraftwerken. Die renommierte dänische Beratungsfirma BTM Consult prognostiziert der Branche für die Jahre bis 2010 ein durchschnittliches Wachstum von 16 Prozent. Die Zentren des Wachstums liegen in den USA, China und Indien, während Europa sein bereits hohes Niveau beibehalten wird.

Die Internationale Energiebehörde IEA prognostiziert, dass alternative Energien im Jahr 2030 rund 10 Prozent des Energie-Bedarfs decken werden. 2004 waren es erst 2 Prozent. Internationale Ölmultis wie Shell und BP investieren deshalb ebenfalls verstärkt in erneuerbare Energien. Auch Industriekonzerne wie General Electric und Siemens haben sich durch Übernahmen in die Wachstumsbranche Windkraft eingekauft.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Teurer Einkauf.

Im Fall Repower kommt hinzu, dass die französische Regierung – mit 87 Prozent größer Anteilseigner von Areva – den Ausbau der Windenergie vorantreibt: Bis zum Jahr 2015 sollen die Windkraft-Kapazitäten im Land auf 13 000 Megawatt ausgebaut werden, was einer Verzehnfachung gegenüber heute entsprechen würde. Frankreich subventioniert wie Deutschland die Erzeugung von Strom durch Windkraft.

Für die ausstehenden 70 Prozent an Repower muss Areva 600 Mill. Euro aufwenden. Analysten halten die Übernahme zwar prinzipiell für sinnvoll, sie kritisieren aber den Preis. Nach Angaben des Pariser Brokers Natexis Bleichroeder zahlt Areva für die Repower-Aktien das 26fache des für 2007 erwarteten Gewinns vor Zinsen und Steuern. Das ist eine deutliche Prämie auf die branchenüblichen Bewertungen. Beim dänischen Weltmarktführer Vestas liegt das auf Basis des operativen Gewinns berechnete Kurs-Gewinn-Verhältnis lediglich bei 23.

Möglicherweise muss Areva das Angebot sogar noch aufstocken. Zwar hat Repower-Chef Vahrenholt seinen Aktionären bereits die Annahme der Offerte empfohlen. Die Repower-Aktie beendete den gestrigen Börsenhandel jedoch bei 108,75 Euro – knapp vier Euro über dem Übernahmeangebot Arevas. „Dies zeigt, dass der Markt auf einen Nachschlag spekuliert“, sagte ein Börsenhändler.

Finanziell stellt der Repower-Kauf den profitablen französischen Staatskonzern vor keine größeren Probleme. Areva ist mit einem Umsatz von 10,1 Mrd. Euro und 58 000 Mitarbeitern ungefähr zwanzigmal so groß wie Repower. Areva geht in seiner Planung davon aus, dass sowohl die Kernenergie als auch die erneuerbaren Energien in Zukunft einen wachsenden Beitrag zum weltweiten Energiemix leisten werden. „Wir wollen eine bedeutende Position in der CO2-freien Energieerzeugung erreichen“, sagte Konzernchefin Anne Lauvergeon.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Franzosen stellen Bedingung.

Areva war bereits im September 2005 bei Repower eingestiegen. „Wir wollten damals erste Erfahrungen mit dieser Technologie sammeln, heute halten wir es für sinnvoll, unser Windkraft-Engagement auszubauen“, erklärte ein Areva-Sprecher. Areva verspricht sich Synergien durch die Übernahme, die der Konzern aber nicht näher beziffert. Mit der vollständigen Übernahme könne Repower von der finanziellen Schlagkraft Arevas profitieren. Ferner soll der deutsche Windenergie-Spezialist von den weltweiten Kontakten und vom Vertriebsnetz der Franzosen profitieren.

Areva koppelt sein Angebot an die Bedingung, in den Besitz von mehr als 50 Prozent der Aktien zu kommen. Repower will in diesem Jahr weltweit 325 Windkraftanlagen aufstellen und damit einen Umsatz von 650 Mill. Euro erreichen. 2008 soll der Umsatz auf 850 Mill. Euro steigen.


Areva – Atomriese mit grünen Plänen

Der Konzern: Areva ist Weltmarktführer beim Bau von Atomkraftwerken. Daneben fördert der Konzern Uran und ist in der Stromverteilung aktiv. 2005 machte Areva rund 10 Mrd. Euro Umsatz und 521 Mill. Euro Nettogewinn.

Neue Bereiche: Der staatliche Konzern setzt nun auf erneuerbare Energien. Der im Oktober 2006 extra geschaffene Geschäftsbereich setzte pro forma 450 Mill. Euro um. Bis 2008 soll der Umsatz auf 850 Mill. Euro wachsen.

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