Geschäftsausblicke
Deutsche Konzerne speisen Aktionäre ab

Die deutschen Großkonzerne halten offenbar nichts von konkreten Geschäftsprognosen. Umsatz- und Gewinnvorhersagen fürs laufende Jahr schenken sich die meisten Unternehmen nach einer Auswertung des Handelsblatts lieber. Stattdessen werden die Aktionäre mit Leerformeln abgespeist. Die Konzerne umgeben sich mit einer Mauer des Schweigens.

DÜSSELDORF. Als hätten sie sich in einem Geheimbund gegen die allzu neugierige Öffentlichkeit verschworen - fast alle deutschen Großkonzerne haben ihren Anteilseignern mitgeteilt, dass es diesmal keine Umsatz- und Gewinnvorhersagen für das schwierige Jahr 2009 gibt. Zumindest keine mit klarer Ansage. Das zeigt eine Handelsblatt-Auswertung der Geschäftsberichte der 30 Dax-Konzerne.

Auch die Gründe für die Prognose-Verweigerung lesen sich in den Berichten so, als hätte einer vom anderen abgeschrieben. Der Stahlhersteller Salzgitter etwa argumentiert mit bislang "noch nicht erlebten Unwägbarkeiten". Der Softwarehersteller SAP verweist auf das "anhaltend unsichere wirtschaftliche Umfeld" und Volkswagen auf die "unsicheren und mit erheblichen Risiken" belasteten Geschäftsaussichten.

Zwar konstatieren alle Unternehmen, die gesamtwirtschaftliche Schwäche setze ihnen mehr oder weniger stark zu. Aber wie die Belastung sich tatsächlich auf die wesentlichen Kennzahlen niederschlagen wird, damit beschäftigen sich nur die wenigsten Konzerne. "Konjunktur- und Auftragseinbrüche sollten sich ebenso gut in Umsatz- und Ergebnisrückgänge umrechnen lassen wie der vorangegangene jahrelange Orderboom", kritisiert ein Dax-Finanzchef seine Zunft.

Wie stark die Unternehmen im Krisenjahr 2009 unter Druck stehen, ermitteln derzeit weltweit Analysten. Nach dem unerwartet kräftigen Nettogewinneinbruch von 40 Prozent bei den Dax-30-Konzernen im vergangenen Jahr erwartet der Finanzdatenspezialist Factset jetzt, dass die Gewinne noch einmal um zwei Prozent sinken werden. Bei Factset laufen die Schätzungen der Experten aller Investmentbanken zusammen.

Allerdings: Solche Prognosen hinken der Realität meistens weit hinterher. Denn die Analysten orientieren sich ausschließlich an Zahlen und Aussagen der Firmen. Noch vor wenigen Wochen etwa hatten sie ein Gewinnplus von durchschnittlich zwölf Prozent erwartet. Die stärksten Negativrevisionen gab es zuletzt für Daimler, Thyssen-Krupp und Salzgitter: Die Experten kappten ihre Gewinnschätzungen innerhalb von sechs Monaten durchschnittlich um jeweils gut 80 Prozent. Für BMW erwarten sie inzwischen gar einen Jahresverlust. "Die Dimension des globalen Abschwungs wird immer noch unterschätzt. Wir vermuten, dass die Gewinne 2009 um 30 Prozent einbrechen werden", rechnet Christian Jasperneite von der Hamburger Privatbank M.M. Warburg mit einem erneuten Ertragsdesaster.

Zumindest die Vergangenheit gibt ihm recht. Nimmt man die Rezessionen in den letzten 40 Jahren zum Maßstab, dann brachen die Nettogewinne der Konzerne durchschnittlich um die Hälfte ein - selbst in der Mini-Rezession 2001/02. Dies dürfte diesmal angesichts des stärksten Wirtschaftseinbruchs in der Nachkriegsgeschichte nicht ausreichen.

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