Geschäftsbereiche zum Verkauf
Akzo Nobel besinnt sich aufs Kerngeschäft

Weg mit dem lästigen Speck sagt sich der niederländische Chemie- und Pharmakonzern Akzo Nobel. Im Zuge der bereits angekündigten Straffung der Aktivitäten bietet das Unternehmen daher drei Geschäftseinheiten zum Verkauf an.

Reuters AMSTERDAM. Der Konzern deutete am Donnerstag an, rund eine Milliarde Euro aus den Verkäufen einnehmen zu wollen. Bei den drei Bereichen handele es sich um chemische Katalysatoren, Beschichtungsharze und die Phosphorchemie, teilte Akzo Nobel mit. „Es ist einiges Interesse für die betroffenen Geschäfte bekundet worden“, sagte Akzo-Nobel-Sprecher John Jennings der Nachrichtenagentur Reuters. Dies sei jüngst und auch in der Vergangenheit der Fall gewesen. Der weltgrößte Chemiekonzern BASF wollte auf Anfrage nicht kommentieren, ob Interesse an den Geschäftsbereichen bestehe.

Akzo will mit den Einnahmen vor allem Schulden abbauen. Zudem könnten sie dazu verwendet werden, Wachstumsgeschäfte zu akquirieren, wie der Sprecher ergänzte. Die Akzo-Aktie lag am Vormittag mit rund 0,9 % im Plus bei 30,42 €. Der Dow-Jones-Stoxx-Chemicals-Index für die europäischen Chemiewerte lag kaum verändert bei 222 Punkten.

Nach Mitteilung des Konzerns sind die drei Einheiten profitabel und erwirtschafteten zusammen annähernd eine Milliarde Euro an Umsatz. Es sei klar, dass Akzo erwarte, aus den Verkäufen einen höheren Betrag zu erzielen als noch im Mai angekündigt. Damals hatte der Konzern mitgeteilt, aus Verkäufen rund 500 Mill. € erzielen zu wollen. „Wir haben bekannt gegeben, dass die Bereiche eine Milliarde Euro Umsatz aufweisen - jeder gute Analyst wird ihnen sagen, dass das „Multiple' dem Umsatz fast gleichkomme oder mehr sei“, sagte Jennings. Eine seit Mai dazu vorgenommene Analyse, was Käufer anziehen könne und was leicht abzuspalten sei, habe den Konzern überzeugt, mehr zu verkaufen als damals geplant.

Welche Unternehmen aus der Branche als Käufer in Frage kämen und ob bereits konkrete Gespräche stattfänden, teilte Akzo nicht mit. Akzo Nobel ist weltweit in den Bereichen Pharmazeutika, Farben und Lacke sowie Chemie tätig. Im zweiten Quartal hatte der Konzern ein Nettoergebnis von 201 Mill. € erzielt und lag damit 20 % unter dem Vorjahreswert.

Nach Einschätzung von Akzo-Chef Hans Wijers wird das Geschäftsportfolio des Konzerns mit den geplanten Verkäufen einheitlicher. „Akzo Nobel bewegt sich hin zu einem konsistenteren Geschäftsportfolio und wird dadurch Wert schaffen“, wurde Konzernchef Hans Wijers in einer Mitteilung zitiert. Vorrang hat nach Angaben von Wijers, für Akzo Nobel und seine Aktionäre maximalen Gewinn zu schaffen, „nicht die Schnelligkeit, mit der wir dies durchziehen können“. Das heiße aber nicht, das Akzo lange untätig bleiben werde. „Ich erwarte, dass die Angebote, die wir erhalten werden, den Wert der betroffenen Geschäfte reflektieren“, sagte er.

Analysten hielten es für realistisch, dass Akzo bis zu einer Milliarde Euro durch die Verkäufe einnehmen könne. „Unserer Einschätzung nach sollten 750 Mill. € bis eine Milliarde Euro durch diese Disinvestitionen erzielt werden,“ hieß es in einer Mitteilung des Bankhauses SNS Securities an Investoren. Positiv sei, dass Akzo mehr abgeben wolle als ursprünglich erwartet. Bei Händlern hieß es, dass Wünsche nicht immer Realität würden. „Sie können so viel wünschen wie sie wollen, aber bevor sie (die Geschäfte) nicht tatsächlich verkauft sind, bedeutet das nicht viel“, sagte ein Händler in Amsterdam.

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